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Elif Shafak

This year’s “Austrian Book Trade Honorary Award for Tolerance in Thought and Action” (Ehrenpreis des Österreichischen Buchhandels für Toleranz in Denken und Handeln) will be presented during the European Literature Days to the Turkish writer, Elif Shafak ...

This year’s “Austrian Book Trade Honorary Award for Tolerance in Thought and Action” (Ehrenpreis des Österreichischen Buchhandels für Toleranz in Denken und Handeln) will be presented during the European Literature Days to the Turkish writer, Elif Shafak (*1971). The name of the accolade already hints at the reason for this choice. Elif Shafak is a writer who has a passionate and clear voice. In The Guardian, she wrote in July 2017, “Intellectuals should be bold and loud and yes, offensive. It is high time to stop denigrating the term. At least out of respect for those who pay a heavy price in other parts of the world just to be a public intellectual.”

But this is only one side of her work – her books are important, and probably preferable to her. Elif Shafak is a remarkable writer who – a rare occurrence – is also a bilingual author in English and Turkish. Her works comprise about two dozen titles, mainly novels, of which one third are written in English and two-thirds in Turkish. Her books have been translated into about 40 languages, including German. So, Elif Shafak has a readership far beyond her Turkish homeland.

She was a rising star in the German-speaking world about ten years ago, when Orhan Pamuk received the Nobel Prize for Literature (2006) and Turkey was guest country at the Frankfurt Book Fair (2008). Her novel, “The Bastard of Istanbul” (2006) set its sights, without any digressions, on those discursive blind spots that even now continue to poison Turkish-Armenian relations. She passionately documents historical events, although she skilfully embeds them in a family context. Elif Shafak narrates with turbulence, humour and delight in storytelling; she gives equally direct as well as differentiated accounts of victims, guilt and harsh forgetting. The book was a bestseller in Turkey, and perhaps this is why the public prosecutor’s case failed to produce any results.

The exuberant and bubbly narrative style is characteristic of Elif Shafak, and this is also true of her novel “The Flea Palace” (2007). The house featuring in the title is on the edge of the Turkish-Armenian cemetery. Inside, a colourful social cosmos is unveiled in its ten apartments which Elif Shafak skilfully brings together to a tightly knit whole. The superficially cheerful palaver and chitter-chatter cannot hide that a personal drama is ongoing in each one of the ten apartments.

This pattern continues in her subsequent books. They are set at the intersections between East and West, family and politics, modernism and myth. Sometimes, they are set in the present-day such as her most recent “Three Daughters of Eve” (2016); and at other times, they involve retrospectives into the realm of histories such as the previous “The Architect’s Apprentice” (2014). Elif Shafak’s books are a mirror of Turkey’s cultural and social wealth that is in danger of being gambled away under President Erdogan’s rule.

The magnificent reign of Sultan Suleiman I (Suleiman the Magnificent), which she recounts in “The Architect’s Apprentice”, sheds light on the contemporary monarch who sits alone in his “white palace” with 1,001 rooms and feels threatened from all sides. But Elif Shafak’s interest in this historical novel is less focused on the powerful elite entourage and more on the “architect’s apprentice” whose social elevation she documents in her majestically styled prose.

In “Three Daughters of Eve”, Elif Shafak once again refers to the discourse on religious extremism and political repression. Peri, a woman in her prime, senses how she is stuck and confused somehow “in-between”. She is a moderate religious woman and neither subservient nor provocatively sensuous. As the Confused, she is more like Eva’s third daughter and is in-between the Sinner and the Believer

Elif Shafak’s books are published in English by Viking Press and Penguin Books.

Translated by Suzanne Kirkbright

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Elif Shafak

Der diesjährige „Ehrenpreis des Österreichischen Buchhandels für Toleranz in Denken und Handeln“ wird im Rahmen der Europäischen Literaturtage der türkischen Autorin Elif Shafak (*1971) verliehen. Der Name des Preises beinhaltet schon die Begründung für diese Wahl. Elif Shafak ist eine Autorin, die sich leidenschaftlich und deutlich vernehmen lässt. Im Guardian schrieb sie im Juli 2017: „Intellektuelle sollten mutig sein und laut und ja, beleidigend. Es ist höchste Zeit, diesen Begriff nicht länger zu verunglimpfen. Zumindest aus Respekt vor jenen Menschen, die in anderen Teilen der Welt einen hohen Preis dafür zahlen, dass sie Intellektuelle sind.“

Doch das ist nur die eine Seite ihres Wirkens, wichtiger und ihr selbst wohl lieber sind ihre Bücher. Elif Shafak ist eine bemerkenswerte Autorin, die – eine Seltenheit – in zwei Sprachen schreibt: auf Englisch und Türkisch. Ihr Werk umfasst rund zwei Dutzend Titel, meist Romane, davon ein Drittel in Englisch, zwei Drittel in Türkisch geschrieben. Sie sind in rund 40 Sprachen übersetzt, darunter auch ins Deutsche. Elif Shafak erfährt so weit über ihre türkische Heimat hinaus eine grosse Resonanz.

Ihr Stern ging vor gut zehn Jahren bei uns auf, als Orhan Pamuk den Literaturnobelpreis (2006) erhielt und die Türkei Gastland an der Frankfurter Buchmesse (2008) war. Im Roman „Der Bastard von Istanbul“ (dt. 2007) steuerte sie ohne Umschweife auf jene diskursiven Blindstellen zu, die das türkisch-armenische Verhältnis bis heute vergiften. Leidenschaftlich erinnert sie an das historische Geschehen, bettet es aber geschickt in einen familiären Kontext ein. Elif Shafak erzählt turbulent, mit Witz und Fabulierlust, gleichermassen unverblümt wie differenziert von Opfer, Schuld und zähem Vergessen. Das Buch war in der Türkei erfolgreich, vielleicht auch deshalb blieb die Anklage durch den Staatsanwalt ohne Folgen.

Die überschäumend sprudelnde Art des Erzählens ist kennzeichnend für Elif Shafak, auch im Roman „Der Bonbonpalast“ (dt. 2007). Das titelgebende Haus liegt am Rande des türkisch-armenischen Friedhofs. In seinen zehn Wohnungen entfaltet sich ein farbiger sozialer Kosmos, den sie souverän zu einem eng geknüpften Ganzen zusammenführt. Das vordergründig fröhliche Palaver und Getratsche vermag nicht zu verbergen, dass sich in jeder der 10 Wohnungen ein persönliches Drama abspielt.

Dieses Muster zieht sich durch ihre nächsten Bücher. Sie spielen an den Schnittstellen zwischen Ost und West, Familie und Politik, Moderne und Mythos. Mal handeln sie in der Gegenwart, wie zuletzt „Der Geruch des Paradieses“ (2016), mal blenden sie zurück ins Reich der Historien, wie davor „Der Architekt des Sultans“ (2015). Elif Shafaks Bücher sind ein Spiegel des kulturellen und gesellschaftlichen Reichtums der Türkei, die unter der Herrschaft Erdogans verspielt zu werden droht. Die prachtvolle Herrschaft des Sultans Süleyman I, von der sie in „Der Architekt des Sultans“ erzählt, wirft ein Licht auf den gegenwärtigen Regenten, der allein in seinem „weissen Palast“ mit den 1001 Zimmern sitzt und sich von allen Seiten bedroht fühlt. Doch Elif Shafak interessiert sich in diesem historischen Roman weniger für die Machtzirkel als für den „Lehrling des Architekten“ (so der englische Originaltitel), dessen sozialen Aufstieg sie in in ihrer prächtig ausstaffierten Prosa erzählt.

In „Der Geruch des Paradieses“ (im Original „The Three daughters of Eve“) nimmt Elif Shafak abermals den Diskurs um religiösen Extremismus und politische Repression abermals auf. Peri, eine Frau im besten Alter, spürt, wie sie verwirrt in einem Dazwischen festsitzt. Sie ist eine moderate Gläubige und weder unterwürfig noch herausfordernd sinnlich. Als Verwirrte gleicht sie der dritten von Evas Töchtern zwischen der Sünderin und der Gläubigen.

Die Bücher von Elif Shafak erscheinen auf Deutsch beim Zürcher Kein & Aber Verlag.

 

Elif Shafak

(Version für die Übersetzung)

Der diesjährige „Ehrenpreis des Österreichischen Buchhandels für Toleranz in Denken und Handeln“ wird im Rahmen der Europäischen Literaturtage der türkischen Autorin Elif Shafak (*1971) verliehen. Der Name des Preises beinhaltet schon die Begründung für diese Wahl. Elif Shafak ist eine Autorin, die sich leidenschaftlich und deutlich vernehmen lässt. Im Guardian schrieb sie im Juli 2017: „Intellectuals should be bold and loud and yes, offensive. It is high time to stop denigrating the term. At least out of respect for those people who pay a heavy price in other parts of the world just to be a public intellectual.“

Doch das ist nur die eine Seite ihres Wirkens, wichtiger und ihr selbst wohl lieber sind ihre Bücher. Elif Shafak ist eine bemerkenswerte Autorin, die – eine Seltenheit – in zwei Sprachen schreibt: auf Englisch und Türkisch. Ihr Werk umfasst rund zwei Dutzend Titel, meist Romane, davon ein Drittel in Englisch, zwei Drittel in Türkisch geschrieben. Sie sind in rund 40 Sprachen übersetzt, darunter auch ins Deutsche. Elif Shafak erfährt so weit über ihre türkische Heimat hinaus eine grosse Resonanz.

Ihr Stern ging vor gut zehn Jahren bei uns auf, als Orhan Pamuk den Literaturnobelpreis (2006) erhielt und die Türkei Gastland an der Frankfurter Buchmesse (2008) war. Ihr Roman „The Bastard of Istanbul“ (2006) steuert ohne Umschweife auf jene diskursiven Blindstellen zu, die das türkisch-armenische Verhältnis bis heute vergiften. Leidenschaftlich erinnert sie an das historische Geschehen, bettet es aber geschickt in einen familiären Kontext ein. Elif Shafak erzählt turbulent, mit Witz und Fabulierlust, gleichermassen unverblümt wie differenziert von Opfer, Schuld und zähem Vergessen. Das Buch war in der Türkei erfolgreich, vielleicht auch deshalb blieb die Anklage durch den Staatsanwalt ohne Folgen.

Die überschäumend sprudelnde Art des Erzählens ist kennzeichnend für Elif Shafak, auch im Roman „The Flea Palace“ (2007). Das titelgebende Haus liegt am Rande des türkisch-armenischen Friedhofs. In seinen zehn Wohnungen entfaltet sich ein farbiger sozialer Kosmos, den sie souverän zu einem eng geknüpften Ganzen zusammenführt. Das vordergründig fröhliche Palaver und Getratsche vermag nicht zu verbergen, dass sich in jeder der 10 Wohnungen ein persönliches Drama abspielt.

Dieses Muster zieht sich durch ihre nächsten Bücher. Sie spielen an den Schnittstellen zwischen Ost und West, Familie und Politik, Moderne und Mythos. Mal handeln sie in der Gegenwart, wie zuletzt „Three Daughters of Eve“ (2016), mal blenden sie zurück ins Reich der Historien, wie davor „The Architect's Apprentice“ (2014). Elif Shafaks Bücher sind ein Spiegel des kulturellen und gesellschaftlichen Reichtums der Türkei, die unter der Herrschaft Erdogans verspielt zu werden droht.

Die prachtvolle Herrschaft des Sultans Süleyman I, von der sie in „Der Architekt des Sultans“ erzählt, wirft ein Licht auf den gegenwärtigen Regenten, der allein in seinem „weissen Palast“ mit den 1001 Zimmern sitzt und sich von allen Seiten bedroht fühlt. Doch Elif Shafak interessiert sich in diesem historischen Roman weniger für die Machtzirkel als für den „Lehrling des Architekten“, dessen sozialen Aufstieg sie in in ihrer prächtig ausstaffierten Prosa erzählt.

In „Three Daughters of Eve“ nimmt Elif Shafak abermals den Diskurs um religiösen Extremismus und politische Repression auf. Peri, eine Frau im besten Alter, spürt, wie sie verwirrt in einem Dazwischen („in between“) festsitzt. Sie ist eine moderate Gläubige und weder unterwürfig noch herausfordernd sinnlich. Als the Confused gleicht sie der dritten von Evas Töchtern zwischen der Sinner und der Believer.

Die Bücher von Elif Shafak erscheinen auf Englisch bei Viking Press und Penguin Books.

Beat Mazenauer

Beat Mazenauer, born 1958, Swiss literary critic and networker. He is director of SwissLiterature (http://www.swissliterature.ch).

Beat Mazenauer, geboren 1958, Schweizer Literaturkritiker und -netzwerker. Er ist Leiter des Webportals LiteraturSchweiz (http://www.literaturschweiz.ch).

Beat Mazenauer, born 1958, Swiss literary critic and networker. He is director of SwissLiterature (http://www.swissliterature.ch).

Beat Mazenauer, geboren 1958, Schweizer Literaturkritiker und -netzwerker. Er ist Leiter des Webportals LiteraturSchweiz (http://www.literaturschweiz.ch).

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