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Themenschwerpunkte 2018

(Un)glückliche Liebe – Verzwicktes Glück. Erzählen in Literatur und Film

Was hat es auf sich mit der Kunst des Liebens und mit der Liebe zur Kunst? Was im allgemeinen mit den gesteigerten Lebensgefühlen?  Bei den Europäischen Literaturtage 2018 geht es um die Liebe im Leben, wie sie uns in Romanen und Filmen begegnet, und geht es um die Liebe zum Buch und zum Film, jenen Elixieren  gegen die Langeweile.

Noch nie wurden so viele Bilder produziert, und noch nie wurde so viel geschrieben wie in unserer digitalen Welt. Wann aber greifen wir zu Büchern, wann gehen wir ins Kino, wann schauen wir uns Filme zuhause im Streaming an; und was geschieht im einen wie im anderen Fall mit uns? Welche Bilder und Handlungen berühren uns emotional? Warum und wie tun sie dies, und warum lässt uns anderes völlig kalt? Wie kommt es, dass uns ein Buch oder ein Film zu neuen Einsichten bringt? Warum können Fiktionen und Fantasien stärker bewegen als dies rational fassbare Begebenheiten und „wahre“ Nachrichten tun?

Die  Literatur hat auch im Zeitalter des ständigen Mediengebrauchs ihren Zauber nicht verloren.    Jede Kultur braucht das Erzählen, um sich zu orientieren und zu entwickeln und nicht in sich zusammenzubrechen. Wie die Literatur liefert längst auch der Film solche Erzählungen, davon geht die Anziehungskraft von Literatur und Film aus. Beide zeigen, dass es keine sicheren Wahrheiten gibt, und wirken doch orientierend, da sie sich auf das Wirkliche zubewegen. Hinter den Verwandlungen und Kunstgriffen von Literatur und Film, ihrem Spiel mit Fakten und Fiktionen steht eine Idee von Wahrheit.

Um dem  Zauber von Literatur und Film nachzuspüren, regen die Europäischen Literaturtage 2018 zum Nachdenken über die Unterschiede der Erzählweisen in Literatur und Film an. Inwiefern steuern Literatur und Film unsere Emotionen unterschiedlich? Trifft zu, was Peter Weiss als den Unterschied zwischen Bild und Sprache ausmachte, dass nämlich das Bild den Schmerz zeige, während die Sprache dessen Ursachen erkläre? Und trifft nicht auf beide zu, was er für das Schreiben postulierte, dass es nämlich aus Zweifeln und Widersprüchen entstehe?

Was  lösen Erzählungen und Romane  in uns aus, und was Filme? Was ist der Unterschied  zwischen einer aufgeschriebenen Erzählung und einer  Erzählung durch  bewegte  Bilder?  Wie wird in der Literatur erzählt, und wie im Film? Was macht literarische Texte reizvoll für eine Verfilmung? Wie beeinflussen Filme das Schreiben? Wo sind die Übergänge zwischen der meist kollektiven Filmproduktion und dem höchst individuellen Schreibprozess?

Literaturhaus Europa in Kooperation mit  Kino im Kesselhaus Krems und Drehbuch Forum Wien

 

Das Gesetz der Serie

Ein besonderer Aspekt des Erzählens  in Literatur und Film wird mit einem weiteren Themenschwerpunkt beleuchtet. Das Gesetz der Serie  in der Unterhaltungsindustrie ist in der jüngeren Vergangenheit zum großen innovativen Hebel geworden. Als J.K. Rowling vor zwanzig  Jahren mit ihrem Manuskript zum ersten Band von Harry Potter von mehr als zwanzig Verlagen abgelehnt wurde, galt die Regel, Literatur für junge Lesergruppen funktioniere nicht, ja Serien von Romanen hätten kein Marktpotenzial.

Heute gilt indessen das „Gesetz der Serie“, über Medien und Formate hinweg, weltweit, mit einem Publikum aus Konsumenten unter 25 als wichtigster Zielgruppe. Die größten Blockbuster Bestseller bei Büchern im vergangenen Jahrzehnt waren Serien, von Stieg Larssons Millennium über Stephenie Meyers Twilight Saga und Suzanne Collins Hunger Games bis zu E.L. James‘ Shades of Grey.  Und: Der amerikanische Kabelsender HBO, und nun Streaming Dienste wie Netflix oder Amazon entwickelten ein Geschäftsmodell für Serienformate, mit dem sie zunehmend Hollywood Konkurrenz machen und zunehmend dessen Geschäftsgrundlage in Frage stellen. Aber auch abseits der englischsprachigen Hauptmärkte haben sich ein dänisches Serienwunder und erfolgreiche Serienformate aus Norwegen oder Österreich, von Skam über Borgen bis zu den Vorstadtweibern, weit über die Grenzen ihrer Ursprungsländer und Fan Communities hinaus durchsetzen können.

Sind Serien der Angelpunkt für ein neues ‚heutiges‘ Story Telling geworden,  in einer immensen Bandbreite von trivial über trashig bis hoch raffiniert, mit Geschichten, die sich vom Buch zum TV Event zum Game und retour entwickeln und verwerten lassen? Sind Serien zum Lagerfeuer für Communities von Fans in unterschiedlichen Zielgruppen geworden, durch die digitale Verbreitung (Streaming) bis zur perfekten Einbettung in die Kommunikation der angesprochenen Zielgruppen via Social Media? Welche kulturellen Vorlieben und Gewohnheiten haben die damit angesprochenen Publikumskreise?  Erschließen sich damit für Autoren neue Arbeitsfelder, aber auch Konkurrenzen?

Literaturhaus Europa in Kooperation mit  Kino im Kesselhaus Krems und Drehbuch Forum Wien