Freitag, 23. November

Begrüßung und Einführung in das Tagesthema „(Un)glückliche Liebe, verzwicktes Glück. Erzählen in Literatur und Film“

Walter Grond, Künstlerischer Leiter der Europäischen Literaturtage

09:00 Uhr   |   Schloss zu Spitz

Lässt sich über die Liebe einfach erzählen, und was steckt in diesem doppelsinnigen „Erzähle einfach!“?
Jede Kultur braucht das Erzählen, um sich zu orientieren und zu entwickeln und nicht in sich zusammenzubrechen. Wie die Literatur liefert längst auch der Film solche Erzählungen, das macht die Anziehungskraft von Literatur und Film aus. Beide zeigen, dass es keine sicheren Wahrheiten gibt, und wirken doch orientierend, da sie sich auf das Wirkliche zubewegen. Hinter den Verwandlungen und Kunstgri en von Literatur und Film, ihrem Spiel mit Fakten und Fiktionen steht eine Idee von Wahrheit.

Um dem Zauber von Literatur und Film nachzuspüren, regen die Europäischen Literaturtage 2018 zum Nachdenken über die Unterschiede der Erzählweisen in Literatur und Film an. Mit welchen Mitteln steuern Literatur und Film unsere Emotionen? Trifft zu, was Peter Weiss als den Unterschied zwischen Bild und Sprache ausmachte, dass nämlich das Bild den Schmerz zeige, während die Sprache dessen Ursachen erkläre? Und trifft nicht auf beide zu, was er für das Schreiben postulierte, dass es nämlich aus Zweifeln und Widersprüchen entstehe?

Was lösen Erzählungen und Romane in uns aus und was Filme? Was ist der Unterschied zwischen einer aufgeschriebenen Erzählung und einer Erzählung durch bewegte Bilder? Wie wird in der Literatur erzählt und wie im Film? Was macht literarische Texte reizvoll für eine Ver lmung? Wie beein us- sen Filme das Schreiben? Wo sind die Übergänge zwischen der meist kollektiven Filmproduktion und dem höchst individuellen Schreibprozess? 

Verzwicktes Glück

AutorInnen/FilmemacherInnen: Katharina Hacker, Răzvan Rădulescu
Moderation: Rosie Goldsmith

09:15 Uhr   |   Schloss zu Spitz

Freier Eintritt, Reservierung notwendig

Katharina Hacker und Răzvan Rădulescu sind beide prägende StilistInnen. Auf den ersten Blick könnten ihre Ansätze nicht verschiedener sein. Während Rădulescu gerne von der Einfachheit des Erzählens im Film spricht, betont Hacker ihre Wertschätzung für komplexe Erzählräume im Roman, die den Gedanken und Empfindungen die Gelegenheit geben, sich in verschiedene Richtungen zu bewegen. Verlangen Literatur und Film einen grundsätzlich verschiedenen Zugang?

In Katharina Hackers ver lmtem Roman Die Habenichtse geht es um Liebe und Gewalt, um private Tristesse ebenso wie um den Schock, der 2001 nach den Anschlägen auf das World Trade Center die westlichen Gesellschaften traf. Der Roman handelt von einer Beziehungsgeschichte in London, in der Fragen um Liebe, Anerkennung und Sinn des Lebens parallel zu jenen um Krieg und Frieden gestellt werden.

Der Film Tuesday After Christmas, zu dem Răzvan Rădulescu gemeinsam mit Alexandru Baciu und dem Regisseur Radu Muntean das Drehbuch schrieb, handelt von Liebe und Verantwortung. Ein verheirateter Banker in Bukarest führt ein scheinbar lockeres Doppelleben, bis sich seine Ehefrau und seine Geliebte zufällig tre en. Im Zentrum des Films steht das Nachdenken über Alleinsein und Einsamkeit.

Der für die Europäischen Literaturtage zum Thema verfasste Text von Katharina Hacker wird im Vorfeld auf der Homepage der Europäischen Literaturtage veröffentlicht.

In Kooperation mit Kino im Kesselhaus Kems und Drehbuch Forum Wien.

 

Wo ist das Leben? Wo der Roman?

AutorInnen/FilmemacherInnen: Tim Krohn, André Schreuders 
Moderation: Carl Henrik Fredriksson 

11:00 Uhr   |   Schloss zu Spitz

Freier Eintritt, Reservierung notwendig

Das Gespräch zwischen dem Schriftsteller Tim Krohn und dem Filmemacher André Schreuders dreht sich um die Energien und die Geheimnisse, die während des Erzählens einer Geschichte frei werden. Wie verhalten sich dabei Literatur und Film zueinander?

2015 initiierte Tim Krohn eines der aufregendsten Literaturprojekte der letzten Jahre. Unter dem Titel Menschliche Regungen schrieb er ein Crowdfunding aus, in dem man aus 1000 Gefühlen und Stimmungen auswählen kann und selbst eine Geschichte darüber schreibt, die dann in einen Roman von Tim Krohn Eingang ndet. Drei Bände sind inzwischen erschienen. Eine Enzyklopädie menschlicher Regungen entsteht.

André Schreuders spürt dem Verhältnis von Literatur und Film nach. Sein Film Along Chapel Road erkundet die Orte eines zentralen Romans der Flämischen Literatur, nämlich des Romans Chapel Road von Louis Paul Boon. Es geht dabei um den Wunsch des Romanautors, alles Leben im Roman festzuhalten, und den Wunsch des Filmemachers, an realen Orten wiederzu nden, was er im Roman vorfand.

Beide Projekte handeln von der Lust zu lesen und der Lust zu entdecken. Das Gespräch handelt von den Erwartungen, die wir an Literatur und Film stellen. 

In Kooperation mit Kino im Kesselhaus Kems und Drehbuch Forum Wien. 


Orte der Liebe

FilmemacherInnen: ldikó Enyedi, Jasmila Žbanić
Moderation: Carl Henrik Fredriksson

15:00 Uhr   |   Kino im Kesselhaus

Freier Eintritt, Reservierung notwendig

Die jüngsten Filme von Ildikó Enyedi und Jasmila Žbanić beschäftigen sich mit Liebesbeziehungen. Körper und Seele bzw. Love Island sind Liebesfilme, die unterschiedlicher nicht sein könnten, und doch etwas gemeinsam haben. Die Orte, an denen sie handeln, spielen für den Verlauf der Geschichte eine wesentliche Rolle.

In Körper und Seele von Ildikó Enyedi bemerken ein introvertierter Finanzdirektor eines Schlachthofs und eine autistisch wirkende Qualitätsprüferin zufällig, dass sie beide nachts dieselben Träume haben, und versuchen daraufhin sich näher zu kommen. Es geht um eine Liebe, an der die Sprache scheitert, um Gefühle, die nur über Bilder zum Anderen vordringen können.

Scheinbar leichtfüßig erzählt Love Island von der Liebe. Jasmila Žbanić entwickelte die Geschichte gemeinsam mit dem bosnisch kanadischen Autor Aleksandar Hemon. Ein Ehepaar verbringt einen entspannten Urlaub an der kroatischen Adria-Küste, bis eine verführerische junge Frau auftaucht. Ein ungewöhnlicher Beziehungsreigen nimmt seinen Lauf.

Orte der Liebe – was bedeuten sie in der Literatur und im Film? Sind sie bloße Kulisse für eine Geschichte, erzeugen sie Lokalkolorit, zeigen sie die Welt realistisch oder bedeuten sie Übergang in innere Welten? 

In Kooperation mit Kino im Kesselhaus Kems und Drehbuch Forum Wien. 


(Un)glückliche Liebe

AutorInnen/FilmemacherInnen: Olivia Hetreed, Kathrin Resetarits 
Moderation: Rosie Goldsmith

16:30 Uhr   |   Kino im Kesselhaus

Freier Eintritt, Reservierung notwendig

In ihren Büchern über die Gefühlswelt in Zeiten des Kapitalismus beschreibt die Soziologin Eva Illouz den Zusammenhang von Geld, Sex und Liebe sowie den Konsum von Romantik. Filme tragen dabei nicht unwesentlich zum Verhalten von Verliebten und Liebenden bei. Olivia Hetreed und Kathrin Resetarits, zwei Drehbuchautorinnen mit großem Augenmerk auf die Literatur, sprechen über die (un)glückliche Lieben in Filmen wie im Leben.

Mit der Verfilmung von Emily Brontës Sturmhöhe legte die britische Regisseurin Andrea Arnold den, wie die New York Times schrieb, rauen Kern eines Romanklassikers frei, der u.a. durch viele vorangehende Filmadaptionen mit einer naturmystischen Aura umgeben war. Olivia Hetreed schrieb das Drehbuch dieser Aufsehen erregenden Neuverfilmung um Liebe, Habgier und Rache.

Ein sinnliches, gefühlsvolles historisches Drama nennt die Zeitschrift Variety den Film Licht von Barbara Albert. Das Drehbuch nach einem Roman von Alissa Walser schrieb Kathrin Resetarits. Im Mittelpunkt stehen die Unterordnung und Abhängigkeit einer jungen Frau und ihre Sehnsucht, über sich hinaus zu wachsen. Letztendlich Fragen über die Liebe, Hingabe und Freiheit. 

In Kooperation mit Kino im Kesselhaus Kems und Drehbuch Forum Wien.


Literarisch-musikalische Soiree

Autorin: Vea Kaiser
Musik: Sain Mus – Clemens Sainitzer/Cello und Philipp Erasmus/Gitarre

20:00 Uhr   |   Schloss zu Spitz

Tickets EUR 16,-/14,-

Die Begegnung von Texten Vea Kaisers mit der Musik von Sain Mus verspricht ein mitreißendes Text-Klanguniversum.

Die Musik der beiden Musiker Philipp Erasmus und Clemens Sainitzer wandert zwischen melodischen Phrasen und experimentellen Klängen hin und her, die aufregende Kombination aus Gitarre und Cello tri t auf Passagen aus Vea Kaisers bereits verö entlichten Büchern wie auch auf Ausschnitte aus ihrem im Jänner 2019 erscheinenden neuen Roman. Mythen und Moderne tre en zugleich komisch und episch aufeinander.

In Kooperation mit Festival Glatt&Verkehrt. 

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