Vorwort

Was ist ein gutes Leben?

Lebensratgeber haben Konjunktur. Bei allem materiellen Reichtum herrscht  in Europa selbst bei Menschen, die am Wohlstand teilhaben,  oft das Gefühl  vor, überfordert und benachteiligt oder gar bedroht zu sein. Der Zwang, alles und jeden zu optimieren, durchdringt  heute die Arbeits-, Alltags- und Freizeitwelt.  Neben Lebensratgebern haben auch Dystopien Konjunktur. Den Herausforderungen durch Klimawandel, Migration, wachsende soziale Kluft und der Gefahr der Selbstabschaffung des Menschen durch technischen Fortschritt stehen wenig positive Visionen und Gesellschaftsentwürfe gegenüber. Unsere Gesellschaft scheint sich vom Prinzip Hoffnung, wie es Ernst Bloch in den 1940er Jahren mit großer Wirkung auf die europäische Nachkriegsgesellschaft formulierte, verabschiedet zu haben.

Dabei gehen gegenwärtig menschliche Zukunftsängste und technischer Fortschritt mehr denn je Hand in Hand. Utopien haben zwar kaum mehr Platz in gesellschaftlichen Debatten, treiben aber die Forschungen in Wissenschaft und Technik mit großer Geschwindigkeit voran. Digitalisierung, Robotisierung und die Entwicklung künstlicher Intelligenz sind kein futuristisches Szenario mehr, sondern längst Wirklichkeit in unserer Welt des globalen Dorfes

Letztendlich verbirgt sich in allen Versuchen, unsere Gegenwart zu fassen und einen Blick auf unsere Zukunft zu werfen, die seit der antiken Philosophie immer wieder neu formulierte  Frage:  Wie leben wir, und wie möchten wir leben? Ist es der Genuss, der uns glücklich macht, und nicht der Besitz, wie es Michel de Montaigne formulierte? Ist das gute Leben eines im ewigen Jetzt, in einer gleichsam aufgehobenen Zeit, oder eines, das von Utopien und Visionen erfüllt ist? 

Um Antworten auf diese zentralen Fragen des diesjährigen Festivals zu bekommen, empfiehlt Svend Brinkmann, Psychologe an der Aaalborg Universität und Bestsellerautor von Lebensratgebern, anstatt Selbsthilfebücher wieder vermehrt Romane zu lesen. Romane, so Brinkmann, zeigen deutlich, wie unordentlich und problematisch das menschliche Leben ist. Sie suggerieren keine einfachen Lösungen, sondern fördern das Mitgefühl, indem sie uns „von uns selbst ablenken, hin zu etwas anderem. Einer fiktionalen Welt. Mit Charakteren, die etwas erleben. Die Probleme haben. So lernt man das Leben besser verstehen.“

Die Europäischen Literaturtage haben internationalen AutorInnen diese Fragen gestellt.  In einer Reihe von Veranstaltungen werden sie versuchen, darauf Antworten zu finden.

Wir laden Sie herzlich ein, dabei zu sein!

Walter Grond
Künstlerischer Leiter von Literaturhaus Europa

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