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Europäische Literaturtage

Die Europäischen Literaturtage sind ein außergewöhnliches Literaturfestival, das jährlich im Herbst stattfindet. Im einzigartigen Ambiente der Wachau trifft sich das literarische Europa zu einem Wochenende der Begegnung und des Austausches. Ein interessiertes Publikum macht sich mit europäischer Literatur vertraut, begegnet internationalen SchriftstellerInnen und genießt mit ihnen gemeinsam die Gastfreundschaft der Wachau.

Die Europäischen Literaturtage bestehen aus Dialogen zu aktuellen Themen, aus Lesungen und Gesprächen zu ausgewählten Büchern sowie aus Konzerten, kulinarischen Verkostungen und Besuchen kunsthistorischer Highlights der Wachau.
Ergänzt wird das Programm durch Workshops und Lesungen für junge Menschen in Schulen und im Karikaturmuseum Krems. Die Kooperation mit eljub-Europäische Jugendbegegnung bereichert die Europäischen Literaturtage um innovative Formen der Literaturbegegnung.

Die Europäischen Literaturtage wurden 2017 von der European Festivals Association als ein herausragendes europäisches Festival mit dem EFFE Label ausgezeichnet.

Europäische Literaturtage 2018
22. bis 25. November 2018

Das Programm der Europäischen Literaturtage wird im Juni 2018 veröffentlicht.

Differenzen? Ja! Etwa nicht?
Erzählen in Literatur und Film

Literaturhaus Europa in Kooperation mit  Kino im Kesselhaus Krems und Drehbuch Forum Wien

 

Noch nie wurden so viele Bilder produziert, und noch nie wurde so viel geschrieben wie in unserer digitalen Welt. Wann aber greifen wir zu Büchern, wann gehen wir ins Kino, wann schauen wir uns Filme zuhause im Streaming an; und was geschieht im einen wie im anderen Fall mit uns? Die Europäischen Literaturtage 2018 thematisieren das Verhältnis von Literatur und Film und stellen dabei grundsätzliche Fragen. Welche Bilder und Handlungen berühren uns emotional? Warum und wie tun sie dies, und warum lässt uns anderes völlig kalt? Wie kommt es, dass uns ein Buch oder ein Film zu neuen Einsichten bringt? Warum können Fiktionen und Fantasien stärker bewegen als dies rational fassbare Begebenheiten und „wahre“ Nachrichten tun?

Die  Literatur hat auch im Zeitalter des ständigen Mediengebrauchs ihren Zauber nicht verloren.  Sie ist eine Form, „das Unsagbare sagbar zu machen, das Unbeherrschbare zu beherrschen, den Schrecken zu steuern“.*  Jede Kultur braucht das Erzählen, um sich zu orientieren und zu entwickeln und nicht in sich zusammenzubrechen. Wie die Literatur liefert längst auch der Film solche Erzählungen, davon geht die Anziehungskraft von Literatur und Film aus. Sie sind Instrumente des menschlichen Überlebens. Beide zeigen, dass es keine sicheren Wahrheiten gibt, und wirken doch orientierend, da sie sich auf das Wirkliche zubewegen. Mit Peter Bichsel gesprochen: „Während ich Geschichten erzähle, beschäftige ich mich nicht mit der Wahrheit, sondern mit den Möglichkeiten der Wahrheit“. Hinter den Verwandlungen und Kunstgriffen von Literatur und Film, ihrem Spiel mit Fakten und Fiktionen steht eine Idee von Wahrheit. Sie helfen auch auch und gerade im Zeitalter des Social Media Aktionismus, der Fake News, alternativen Tatsachen und virtuellen Wirklichkeiten dabei, kritische Distanz zu finden in einer immer diffuser werdenden Informations-Welt. **

Um dem  Zauber von Literatur und Film nachzuspüren, regen die Europäischen Literaturtage 2018 zum Nachdenken über die Unterschiede der Erzählweisen in Literatur und Film an. Inwiefern steuern Literatur und Film unsere Emotionen unterschiedlich? Trifft zu, was Peter Weiss als den Unterschied zwischen Bild und Sprache ausmachte, dass nämlich das Bild den Schmerz zeige, während die Sprache dessen Ursachen erkläre? Und trifft nicht auf beide zu, was er für das Schreiben postulierte, dass es nämlich aus Zweifeln und Widersprüchen entstehe? ***

Was  lösen Erzählungen und Romane  in uns aus, und was Filme? Was ist der Unterschied  zwischen einer aufgeschriebenen Erzählung und einer  Erzählung durch  bewegte  Bilder?  Wie wird in der Literatur erzählt, und wie im Film? Was macht literarische Texte reizvoll für eine Verfilmung? Wie beeinflussen Filme das Schreiben? Wo sind die Übergänge zwischen der meist kollektiven Filmproduktion und dem höchst individuellen Schreibprozess?

Autoren und Filmemacher, Drehbuchautoren und Regisseure, Literatur- und Filmexperten treten bei den Europäischen Literaturtagen 2018 in Dialog und loten miteinander das faszinierende Feld der literarischen und filmischen Erzählungen aus. Die Dialoge, Bücher Talks und Lesungen im Klangraum Minoritenkirche Krems und Schloss zu Spitz werden durch Filmvorführungen im Kino im Kesselhaus Krems ergänzt. Bei den literarisch kulinarischen und literarisch musikalischen Veranstaltungen und im kulturellen Rahmenprogramm begegnet das interessierte Publikum den internationalen Gästen aus Literatur und Film, nicht zuletzt, um sich über die unvermeidliche und unlösbare Frage auszutauschen, ob nun ein bestimmter Roman besser sei als seine Verfilmung, und die persönlichen Bilder, die beim Lesen entstehen, tiefgründiger wären als die Bilder, die ein Regisseur geschaffen hat.

 

 

* Knut Hickethier, Literatur und Film
** Beat Mazenauer, Alternative Fake oder Erzähl mir keinen Bullshit
*** Peter Weiss, Laokoon oder die Grenze der Sprache

 

22. bis 25. November 2018