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Focus: The Colonizers/ Die Kolonisten

How do European writers describe other world regions, and what views do resident writers here hold? Similarly, how do local writers describe their world and what do European writers think? Which new forms of literary urban self-image are emerging in our globalized world?

In Patrick Deville’s novel, Peste et Choléra (Plague and Cholera), introduced at the European Literature Days 2015, he refers to a dynamic of European colonization since the 19th century which also concerns writers and literature. The endeavour of ‘Europeanization’ of the globe in the name of progress meant that explorers, researchers, scientists as well as travel writers and adventurers set off for supposedly unknown terrain; their accounts of their ideas about foreign cultures set in motion the process of colonization. The military and merchants followed – also in the name of progress – conquering the land and ‘Europeanizing’ it, ultimately leading mainly to chaos.
Following the colonial powers’ race for world domination from 1860 until today, the ensuing history of de-colonization in the 20th century and recent and ongoing major shifts in our globalized world, travel writers also shape the image of cultures outside Europe. From Joseph Conrad and Andre Malraux to Hubert Fichte and Bruce Chatwin, in each case they enrich and expand the literature of their countries of origin. Equally, however, their co-involvement influences the image of cultures which they have described.
The European Literature Days symposium will firstly consider travel and writing about foreign cultures in a world without borders, as suggested by the frenetic level of air traffic and globalized media. Secondly, it examines a literary and philosophical dimension which the British and Sudanese writer, Jamal Mahjoub, highlighted at the European Literature Days in 2015: what are the lessons from late 20th century post-colonial discourses for today’s discussion about globalization, homelands, languages and new world literatures? How are new forms of urban self-image to be understood? For example, the image of the “Afropolitan” – the African at home in the world – who is not only a world citizen, but also has African roots and leads a successful life in cities around the world? How is it possible to influence this and other concepts that are taking over self-confident European ideas of progress, as well as to modify them in the sense of a new global citizenship?
The European Literature Days symposium invites European guest writers whose literary works are set in cultures outside Europe; in turn, they have an opportunity to meet other writers who hail from or are resident in precisely such cultures outside Europe. How is an African country described in a European writer’s novel and how does an African writer treat this? How does Japan feature in a European writer’s novel and in a novel by a Japanese writer? Or an Arab country in a European writer’s novel and a writer from an Arab country?
How do European writers describe other regions of the world? To what extent do they disseminate falsehoods about cultures, which they have visited, and to what extent do they open people’s minds to Otherness, or make foreignness appear familiar? Moreover, how truthfully do writers from cultures outside Europe write about their home cultures? In summary: beyond a polarized ‘good-bad’ mentality, how can both sides’ perspectives contribute to a better understanding of our world?

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Die Kolonisten


Wie schreiben europäische Autoren über andere Weltgegenden, und wie stehen dort ansässige Autoren dazu? Und wie wiederum beschreiben diese ihre Welt, und was halten europäische Autoren davon? Welche neue Formen von literarisch urbanem Selbstverständnis entstehen in unserer globalisierten Welt?
In seinem bei den Europäischen Literaturtagen 2015 vorgestellten Roman Pest & Cholera weist der französische Autor Patrick Deville auf eine Dynamik des europäischen Kolonialismus seit dem 19 Jahrhundert hin, die auch SchriftstellerInnen und die Literatur betrifft. Im Bestreben, die ganz Welt zu europäisieren, brechen im Namen des Fortschritts Entdeckungsreisende, Forscher und Wissenschaftler, Reiseschriftsteller und Abenteurer in vermeintlich unbekanntes Territorium auf, schreiben über die für sie fremden Kulturen, und setzen damit den Prozess der Kolonisierung in Gang. Ihnen folgen stets – auch im Namen des Fortschritts – die Militärs und Handelsherren, die das Land erobern, europäisieren und am Ende meistens ins Chaos treiben.
Im Wettstreit der Kolonialmächte um die Weltherrschaft von 1860 bis heute, der nachfolgenden Geschichte der Entkolonialisierung im 20. Jahrhundert und der neuerlichen und heute stattfindenden großen Verschiebungen in unserer globalisierten Welt prägen auch die reisenden Schriftsteller das Bild der außereuropäischen Kulturen mit. Von Joseph Conrad, Andre Malraux bis Hubert Fichte und Bruce Chatwin lässt sich sagen, dass sie jeweils die Literatur ihrer Herkunftsländer bereichert und erweitert, aber ebenso das Bild der Kulturen, über die sie geschrieben haben, mitgeprägten.
Das Symposium der Europäischen Literaturtage hinterfragt zum einen das Reisen und Schreiben über das Fremde unter den Bedingungen einer Welt ohne Grenzen, wie sie der dichte Flugverkehr und die globalisierten Medien nahelegen. Zum anderen fragt es nach einem literarisch philosophischen Aspekt, den der sudanesisch englische Schriftsteller Jamal Mahjoub bei den Europäischen Literaturtagen 2015 einwarf: Was lässt sich von den postkolonialen Diskursen des späten 20. Jahrhunderts für die heutige Diskussion um Globalisierung, Heimaten, Sprachen und neuen Weltliteraturen lernen? Wie sind die neuen Formen urbanen Selbstverständnisses einzuordnen? Bespielhaft das des „Afropolitan“, des Weltafrikaners, der nicht nur Weltbürger, sondern einer mit afrikanischen Wurzeln ist und erfolgreich in den Städten rund um die Welt lebt? Wie dieses und andere Konzepte, die sich selbstbewusst europäischer Vorstellungen von Fortgeschrittenheit bemächtigen und sie im Sinn einer neuen Weltgesellschaft verändern?
Das Symposium der Europäischen Literaturtage ladet europäische AutorInnen ein, die ihre Literatur in außereuropäischen Kulturen angesiedelt haben und Autoren begegnen, die in eben diesen außereuropäischen Kulturen herkünftig oder ansässig sind. Wie sieht ein afrikanisches Land im Roman eines Europäers aus, und wie in einem Roman eines Autors aus Afrika? Und wie Japan im Roman eines Europäers, und wie in einem Roman eines Autors aus Japan? Wie ein arabisches Land im Roman eines Europäers, und wie in einem Roman eines Autors aus einem arabischen Land?
Wie schreiben europäische AutorInnenen über andere Weltgegenden? Inwieweit verbreiten sie Falsches über die von ihnen besuchten Kulturen und inwiefern öffnen sie den Blick für das Andere, machen sie das Fremde vertraut? Und, wie wahrhaft schreiben AutorInnen aus außereuropäischen Kulturen über ihre eigenen Kulturen? Auf den Punkt gebracht: Wie kann man über ein Gut-und-Böse-Denken hinaus die Zugänge beider zum besseren Verständnis unserer Welt nutzen?