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European Literature Days 2016: Review of Ondřej Buddeus

Some children’s books are not children’s books, because they are not intended as books for children. They’re books for bookworms and those who love everything...

European Literature Days 2016: Review of Ondřej Buddeus
By Lena Gorelik

“Kopf im Kopf”
Some children’s books are not children’s books, because they are not intended as books for children. They’re books for bookworms and those who love everything about them: not just a narrated story, not merely the characters, but the pages. Each picture, each illustration, every word, even the font style, the paper, the smell of a new and an old book. The book cover and bookmark, as well as questions behind the book. You could say – the book within the book.
“Kopf im Kopf” (“Head in the Head”) is this genre of book. It’s a book within a book, and another inside that, so to say another ‘book in a book’. There are words, sentences, questions; there are illustrations and some pages bigger than others, as well as fold-out pages, perforated pages, which you can see through, and pages to turn around so you can read them. There are pages to read, review, marvel at, laugh at and pages to touch. They fit together, while now they don’t fit.

What’s the point? It’s all about the head. About the head as an organ, as a word, as a transmitter of thoughts, as an idea, and the head as a bearer of pain or hair. I can picture the Czech writers and illustrators, David Böhm and Ondřej Buddeus, working together something like this: two artists sit together, they’re slouching on an old sofa or sitting on a wooden table covered with a plastic tablecloth; they’re knocking back a Czech beer – yes, I like all clichés – and collect everything they think of about the topic of the ‘head’, (obviously, I’m brimming with easy wordplays). “Bounty!” (Kopfgeld!), one of them utters, for instance, whereupon the other starts to sketch... a ‘wanted poster’, declaring the bounty price. “Nose!”, the other interjects, and because it’s dark and there is a curious atmosphere where you can say everything, he asks, “Why do we have a nose, actually?” The other momentarily makes note of this, so the lines appear below, “to land someone one on the nose, to get one’s own house in order, to get ahead, to turn up one’s nose and stick one’s nose in a book”, and so on. This precise miscellany of associations appears later in the book beside an illustration – what else? – of a nose.

This is not a book to read from front- to back cover. You cannot read it the other way around from back to front. Perhaps it’s not even possible to read it. You can browse in it; you can pick out something like a chocolate from these exquisite gold-edged boxes. For example, you can read the answer to the question, “If my head were as big as a water tower, would I be the smartest person in the whole world?”, or the wonderful, easily confusing topsy-turvy comic for the brain, “Die Geschichte vom Vogellippler”. When you think about things related to the head, you can look at the picture of a Cubist head or delight in the many – most affectionately sketched – metaphors that spring to mind, (that’s yet another unavoidable wordplay!): from ‘loaf’ (slang for ‘head’) to brainteaser (Kopfnuss). And you can store all that in your head – or perhaps not.

Translated by Suzanne Kirkbright

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Kopf im Kopf

Es gibt diese Kinderbücher, die keine Kinderbücher sind. Nicht im Sinne, dass sie Bücher für Kinder sind. Sie sind Bücher für Menschen, die Bücher lieben, die alles an Büchern lieben: Nicht nur die erzählte Geschichte, nicht nur die Figuren, sondern die Seiten. Jedes Bild, jede Zeichnung, jedes Wort, auch die Art, wie es gedruckt ist, das Papier, den Geruch eines neuen, den eines alten Buches. Den Umschlag und das Lesezeichen, die Fragen hinter dem Buch. Man könnte sagen, das Buch im Buch.

„Kopf im Kopf“ ist ein solches Buch. Es ist ein Buch im Buch und ein weiteres darin, und noch mal ein Buch im Buch sozusagen. Da sind Worte, da sind Sätze, da sind Fragen, da sind Zeichnungen, da sind Seiten, die größer sind als andere, und Seiten zum Auffalten, Seiten mit Löchern, durch die man durchblicken kann, und Seiten, die man drehen muss, damit man sie lesen kann. Da sind Seiten zum Lesen, Seiten zum Anschauen, Seiten zum Staunen, Seiten zum Lachen, Seiten zum Anfassen. Sie gehörten zusammen, und sie tun es nicht.

Worum es geht? Um den Kopf. Um den Kopf als Organ, um den Kopf als Wort, um den Kopf als Gedankenträger, den Kopf als Idee, den Kopf als Schmerz- oder Haarträger. Die Arbeit der beiden tschechischen Autoren und Illustratoren David Böhm und Ondřej Buddeus stelle ich mir folgendermaßen vor: Da sitzen zwei Künstler zusammen, sie lümmeln auf einer alten Couch oder sitzen an einem Holztisch, auf dem eine Plastiktischdecke liegt, sie zischen ein tschechisches Bier - ja, ich bin voller Klischees - und sammeln alles, was ihnen in den Kopf - und voller einfacher Wortspiele offensichtlich auch - kommt zum Thema Kopf. „Kopfgeld!“, ruft zum Beispiel einer der beiden aus, und schon zeichnet der andere drauf los, ein Fahndungsplakat, das Kopfgeld auslobt. „Nase!“, fällt dem anderen ein, und weil es dunkel ist und in dieser sonderbaren Stimmung, in der man alles sagen kann, fragt er: „Wozu haben wir eigentlich eine Nase?“. Das notiert der andere augenblicklich, und darunter steht dann: „um jemandem was auf die Nase zu geben, um sich an die eigene Nase zu fassen, um die Nase vorn zu haben, um die Nase hochzutragen, um die Nase in ein Buch zu stecken“ und vieles andere auch mehr, und genauso steht dann diese Assoziationensammlung später im Buch neben einer Zeichnung von einer, wie könnte es anders sein, Nase.
Es ist kein Buch, das sich von vorne nach hinten lesen lässt. Es lässt sich nicht andersherum lesen, von hinten nach vorne. Vielleicht lässt es sich auch gar nicht lesen. Man kann schnuppern darin, man kann sich etwas herausgreifen wie eine Praline aus einer diese exquisiten Schachteln, die mit Goldrand umrandet sind. Man kann zum Beispiel die Antwort auf die Frage lesen: „Wenn mein Kopf so groß wäre wie ein Wasserturm, wäre ich dann der Allerschlaueste auf der ganzen Welt?“ oder den wunderbaren und für das Gehirn erst mal leicht verwirrenden, auf dem Kopf stehenden Comic „Die Geschichte vom Vogellippler“. Man kann sich das Bild eines kubistischen Kopfs anschauen oder sich an den vielen - liebevollste gezeichneten - Wortbildern erfreuen, die einem so - schon wieder das unabdingbare Wortspiel - in den Kopf kommen, wenn man an Kopf denkt: Von Rübe bis Kopfnuss. Und das alles kann man im Kopf abspeichern - oder auch nicht.

David Böhm & Ondřej Buddeus
Kopf im Kopf
Wissen, Spielereien und Poesie über den Kopf
Aus dem Tschechischen von Doris Kouba
Karl Rauchverlag, Düsseldorf 2016

Lena Gorelik

Lena Gorelik is a German writer. She was born in 1981 in St. Petersburg. In 1992 she came to Germany with her Russian-Jewish family as a “Kontingentfluchtling” (quota refugee).

Lena Gorelik ist eine deutsche Schriftstellerin. Geboren wurde sie 1981 in Petersburg und kam 1992 mit ihrer russisch-jüdischen Familie als Kontingentflüchtling nach Deutschland.

Participant of the European Literature Days 2015. 
Teilnehmerin der Europäischen Literaturtage 2015.

Lena Gorelik is a German writer. She was born in 1981 in St. Petersburg. In 1992 she came to Germany with her Russian-Jewish family as a “Kontingentfluchtling” (quota refugee).

Lena Gorelik ist eine deutsche Schriftstellerin. Geboren wurde sie 1981 in Petersburg und kam 1992 mit ihrer russisch-jüdischen Familie als Kontingentflüchtling nach Deutschland.

Participant of the European Literature Days 2015.
Teilnehmerin der Europäischen Literaturtage 2015.

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