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Copyright laws in France/ Urheberrechtsgesetze in Frankreich

Idle talk about the French “exception culturelle” is really getting on some people’s nerves. For instance, back in 2013 France was alone in insisting that films and audio-visual materials regulated by the free trade agreement between the US and the EU ought not to get the same treatment as other merchandise.

A sketch by French cartoonist Soulcié highlights the mutual lack of understanding: “What the hell is that shit?!”, asks an American while listening to a French song. “It’s Jean-Louis Aubert [... singer with the French rock band, Téléphone]. It’s like the Roquefort. You think it’s moisi ... But it’s good moisi!” Sometimes it may be the case that France feels unjustifiably superior towards others when it comes to culture, nevertheless, you have to admit the country does a lot for its artists and others also benefit from this. Authors’ copyright is a shining example of this.

A Frenchman and none other than Pierre Augustin Caron de Beaumarchais was the first to campaign for authors’ rights. On 3 July 1777 he invited about 30 colleagues to dine and join forces to resist the monopoly of actors who at that time decided whether a play was staged and, if successful, they were also the first to be paid. For instance, in the case of the Barber of Seville which Beaumarchais had not wanted to accept. He founded the Société des Auteurs et Compositeurs Dramatiques – Society of Dramatic Authors and Composers – the very first society of authors whose work led to the first copyright law in history taking effect in 1791. Writers now had the option either to sell their works in France themselves or to have them sold, in which case they assigned their copyright partially or in full.

On this basis, during the 19th century Lamartine and Victor Hugo campaigned for authors’ copyright beyond France. Hugo founded the international literary society whose work was the foundation for the 1886 Berne Convention. This was the first international agreement for the protection of copyright signed by numerous European countries. In Paris in 1926 the Confédération Internationale des Sociétés d'Auteurs et Compositeurs (CISAC) was founded. This is an international umbrella organization for collective management companies and today involves over 120 countries representing three million copyright holders and publishers from the music, literary, film and visual arts sectors.

In 1957 writers in France were granted the material and intellectual rights to their works as part of the Law on Literary and Artistic Property. Since then the droit patrimonial or property right (similar to right of reproduction) regulates all material aspects and this right expires 70 years after the death of the author. Authors’ remuneration depends on the type of usage, that is, the type of reproduction or presentation of a work. Either this is directly based on the sale of a book, CD etc., or indirectly such as, for example, through private copies. E-books in this case give rise to numerous disputes and complications – read more about this later.

In addition there is the idealistic droit moral or moral rights that lend a moral dimension to the protection of intellectual property and are happily compared in France with the supposedly so liberal Anglo-Saxon copyright. While copyright protects the owner of the right of reproduction, such as the publisher for instance, the moral right is effective on behalf of the author who in this case is entitled to economic and ideal protection rights for his or her work.

France also plays a special role together with Germany in the campaign for authors’ rights in the digital age. Even if in 2015 e-books in France only accounted for about 3 % of book sales, from the outset the French supported regulation of the digital book market based on the traditional market model with the obligation for a net price system for e-books and reduced VAT of 5.5 %, as is the case for print books.

After years of wrangling in December 2014 the main players on the French book market were able to agree on revised contracts between writers and publishers that met the requirements of the digital age. The main dispute was about payment for writers. Since the technical and economic development of the digital market is unpredictable, the share of e-book sales paid to authors is only re-negotiated at regular intervals and publishers are obliged to provide authors with better and more frequent updates about numbers of sold e-books. And we wouldn’t be in France if mistrust were not already stirring against the EU Commission’s planned revision and standardization of European copyright to take into account the circumstances of the digital age.

Translated by Suzanne Kirkbright

 

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Das Gerede von der „exception culturelle française“ geht so manchem gehörig auf die Nerven. So zum Beispiel, als Frankreich 2013 allein auf weiter Flur darauf bestand, dass Filme und audiovisuelle Werke innerhalb des Freihandelsabkommens zwischen den USA und der EU nicht wie andere Handelsgüter betrachtet werden dürfen. Eine Zeichnung des französischen Karikaturisten Soulcié macht das beidseitige Unverständnis deutlich: „What the hell is that shit?“ fragt ein Amerikaner beim Hören eines französischen Songs. „Jean-Louis Aubert (Sänger der französischen Kultband  Téléphone), das ist wie mit Roquefort, Sie denken, das ist verschimmelt, aber es guter Schimmel.“ Mag es zuweilen durchaus zutreffen, dass Frankreich sich anderen in Sachen Kultur zu Unrecht überlegen fühlt, so muss man dem Land doch zugestehen, dass es viel für seine Künstler tut, und davon auch andere profitieren. Das Autorenrecht ist dafür ein leuchtendes Beispiel.

Denn es ist ein Franzose und kein anderer als Pierre Augustin Caron de Beaumarchais, der  sich als erster für die Rechte der Autoren einsetzte. Am 3. Juli 1777 lud er rund 30 Kollegen zum Essen ein, um sich mit vereinter Kraft gegen das Monopol der Schauspieler zu wehren, die damals entschieden, ob ein Stück gespielt wurde und bei Erfolg auch als erste dafür entlohnt wurden. So wie beim Barbier von Sevilla, was Beaumarchais nicht akzeptieren wollte. Er gründete die Gesellschaft für Theaterautoren- und Komponisten (Société des Auteurs et Compositeurs Dramatiques), die allererste Autorenvereinigung, deren Arbeit 1791 zum Inkrafttreten des ersten Urhebergesetzes der Geschichte führte. Autoren hatten nun die Möglichkeit, ihre Werke in Frankreich entweder selbst zu verkaufen oder verkaufen zu lassen, wobei sie ihre Rechte teilweise oder ganz abtraten.

Davon ausgehend setzten sich Lamartine und Victor Hugo im 19. Jahrhundert für die Rechte von Autoren über Frankreich hinaus ein. Hugo gründete die internationale literarische Gesellschaft, deren Arbeit die Grundlage bildete für die Berner Konvention von 1886. Sie war das erste internationale Abkommen zum Urheberschutz, das von zahlreichen europäischen Ländern unterzeichnet wurde. In Paris wurde 1926 auch die Confédération Internationale des Sociétés d'Auteurs et Compositeurs (CISAC) ins Leben gerufen. Ein internationaler Dachverband für Verwertungsgesellschaften, dem heute über 120 Länder angehören, die rund drei Millionen Urheber und Verleger aus den Bereichen Musik, Literatur, Film und bildende Kunst vertreten.

1957 wurde Autoren in Frankreich im Rahmen des Gesetzes für literarisches und künstlerisches Eigentum das materielle und ideelle Recht an ihren Werken zugestanden. Die materiellen Aspekte regelt seitdem das droit patrimonial, das dem deutschen Verwertungsrecht entspricht und, genau wie dort, 70 Jahren nach Tod des Autors endet. Von der Art der Verwertung (der Art der Reproduktion oder Präsentation eines Werkes) hängt die Vergütung der Autoren ab. Entweder direkt, durch den Verkauf eines Buches, einer CD etc.,  oder indirekt, wie z.B. durch Privatkopien. E-Books sorgen hierbei für viel Streit und Komplikationen, doch dazu später mehr.

Dazu kommt das ideelle Urheberpersönlichkeitsrecht, das den schönen Namen droit moral trägt, was dem Schutz geistigen Eigentums eine moralische Dimension verleiht und in Frankreich gerne dem angeblich so liberalen angelsächsischen Copyright entgegengestellt wird.  Denn während das Copyright den Inhaber des Verwertungsrechts schütz, also den Verleger z.B., gilt das Urheberpersönlichkeitsrecht für den Autor, der auf diese Weise Anspruch auf wirtschaftliche und ideelle Schutzrechte für sein Werk bekommt.

Eine besondere Rolle spielt Frankreich gemeinsam mit Deutschland auch im Kampf um die Autorenrechte im digitalen Zeitalter. Auch wenn E-Books 2015 in Frankreich nur rund 3% der verkauften Bücher ausmachten, setzten sich die Franzosen von Beginn an für eine Regulierung des digitalen Buchmarkts nach Vorbild des traditionellen Marktes ein mit der Verpflichtung zur Buchpreisbindung für E-Books und einem ermäβigten Mehrwertsteuersatz von 5,5%, so wie es auch für gedruckte Bücher der Fall ist.

Nach jahrelangem Ringen konnten sich die Akteure des französischen Buchmarktes im Dezember 2014 auf überarbeitete Verträge zwischen Autoren und Verlegern einigen, die den Anforderungen des digitalen Zeitalters entsprechen. Gestritten wurde vor allem um die Bezahlung der Autoren. Da die technische und wirtschaftliche Entwicklung des digitalen Marktes nicht absehbar sind, wird der an die Autoren ausbezahlte Anteil am Verkauf von E-Books daher nun in regelmäβigen Abständen neu verhandelt, und die Verleger sind verpflichtet, die Autoren über die Anzahl der verkauften E-Books besser und öfter zu informieren. Und wir wären nicht in Frankreich, wenn sich nicht jetzt bereits Misstrauen gegen die von der EU-Kommission geplante Überarbeitung und Vereinheitlichung des europäischen Urheberrechts in Hinblick auf das digitale Zeitalter regen würde.

Katja Petrovic

Katja Petrovic, born 1976 in Hamburg, free lancing radio journalist in Paris.

Katja Petrovic, 1976 in Hamburg geboren, ist freie Radiojournalistin in Paris.

Katja Petrovic, born 1976 in Hamburg, free lancing radio journalist in Paris.

Katja Petrovic, 1976 in Hamburg geboren, ist freie Radiojournalistin in Paris.

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