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Exile and the burden of home on us/ Das Exil und die Last der Heimat auf uns/ المنفى ووطأة الأوطان فينا نجم والي

It is right, of course, that many writers and artists are ‘geographically’ in exile. Yet in my view, back ‘home’ they had already gone into inner exile since they became aware of the pain in the country where they were born and lived, or better still let’s say: since they felt a constant ache in their mind and soul because of the experience of the state’s injustice to the people; since they also strictly rejected the social tyranny accompanying the terror of the state’s force and the latter being used as a justification for destroying everything that is beautiful.

When sheer survival becomes the main content of life in a state, then all that is beautiful in this land becomes painful and the land itself becomes exile. To state this quite unequivocally: exile knows no limits, passionate yearning cannot be measured in terms of distance – it lives within you and is fatal. The sense of being a stranger – inner exile – begins when one feels lonely and abandoned, seeking a firm foothold on solid ground and this ground is pulled from beneath one’s feet. The feeling of being a stranger begins when the heart begins to wail a lament. Exile is much greater than external borders. It destroys the friendly association with the world, and with others. In this way, exile first begins ‘there’ at the moment when one becomes aware of one’s creative energy or pain. ‘Geographical’, outer exile is then only its logical, though tragic consequence. By adopting this explanatory model it is then only apt to assert that every form of creative writing is ultimately a creative achievement from within the confines of ‘exile’, the eternal exile of mankind and man’s strangeness ‘here’ and ‘there’.

When I studied German literature in the 1980s at Hamburg University, at first I focused on special interest topics in German ‘exile literature’, that is, those writers who left the country in their dozens after the takeover by the Nazis and Hitler in 1933. I learned in the process that you can count the novels, which deal with ‘geographical’ exile, on the fingers of one hand. The same applies for novels written in other languages, or at least for those novels, which I’m now reading in their original language, primarily in German and Spanish. Most truly great literary works were created in exile and are by no means about this ‘geographical’ exile, but rather about the idea of man’s eternal inner exile, about his social alienation because those who engage in creative activities are in league with what is absent. Their heroes embody a general human language that overcomes limits and they present the narrow ideas of headstrong nationalists in all their ridiculous dimensions – maybe because they have matured and grown up by breaking away from the seemingly so rigid definitions of national cultural identity.

Translated by Suzanne Kirkbright

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Es stimmt natürlich, dass viele Schriftsteller und Künstler sich „geographisch“ im Exil befinden. Ich bin allerdings der Ansicht, dass sie schon dort – in der „Heimat“- ins innere Exil gegangen waren, seitdem sie sich des Schmerzes in dem Land, in dem sie geboren wurden und lebten, bewusst geworden waren oder sagen wir besser: seitdem es ihnen ständig in Kopf und Seele wehtat, das vom Staat an den Menschen begangene Unrecht zu erleben, seitdem sie auch die gesellschaftliche Tyrannei strikt ablehnten, die sich zum Terror der Staatsmacht gesellt und die letztere als Rechtfertigung dafür braucht, alles Schöne zunichte zu machen. Wenn das pure Überleben in einem Land zum Hauptlebensinhalt wird, wird alles Schöne in diesem Land schmerzhaft und das Land selbst wird zum Exil. Um es ganz klar zu sagen: Das Exil kennt keine Grenzen, leidenschaftliche Sehnsucht lässt sich nicht an der Entfernung messen, sie wohnt in einem selbst und ist tödlich. Das Gefühl von Fremdsein, das innere Exil, beginnt, wenn man sich einsam und verlassen fühlt, mit den Füßen festen Halt auf dem Boden sucht und dieser sich einem entzieht. Das Gefühl von Fremdsein beginnt, wenn das Herz beginnt zu wehklagen. Exil ist viel größer als äußere Grenzen. Es zerstört die freundschaftliche Verbindung zur Welt, zu den anderen. Auf diese Weise beginnt das Exil zunächst „dort“, in dem Moment, in dem man sich seiner kreativen Energie oder seines Schmerzes bewusst wird. Das „geographische“, äußere Exil ist dann nur dessen logische, aber tragische Konsequenz. Innerhalb dieses Erklärungsansatzes ist es dann nur stimmig zu behaupten, dass jedes kreative Schreiben letztendlich eine kreative Leistung aus dem „Exil“ heraus ist, dem ewigen Exil des Menschen und seiner Fremdheit, „hier“ und „dort“.

Als ich in den achtziger Jahren an der Universität Hamburg Germanistik studierte, beschäftigte ich mich zunächst schwerpunktmäßig mit deutscher „Exilliteratur“, jenen Schriftstellern also, die zu Dutzenden nach der Machtergreifung der Nazis und Hitlers 1933 das Land verließen. Ich stellte dabei fest, dass die Romane, die vom „geographischen“ Exil handeln, sich an den Fingern abzählen lassen. Gleiches gilt für in anderen Sprachen verfasste Romane oder zumindest für jene Romane, die ich jetzt in ihrer ursprünglichen Sprache, vornehmlich auf Deutsch und Spanisch, lese. Die meisten wirklich großen literarischen Werke sind im Exil entstanden und sie handeln keineswegs von diesem „geographischen“ Exil, sondern von der Vorstellung des ewigen inneren Exils des Menschen, von seiner gesellschaftlichen Entfremdung, denn kreativ Tätige stehen im Bunde mit dem Abwesenden. Ihre Helden verkörpern eine allgemeine menschliche Sprache, die Grenzen überwindet und die engen Begrifflichkeiten starrköpfiger Nationalisten in ihrer ganzen Lächerliche präsentieren – vielleicht, weil sie reif und erwachsen geworden sind, indem sie sich von den scheinbar so festen Definitionen der nationalen kulturellen Identität losgesagt haben.

Aus dem Arabischen von Nicola Abbas

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صحيح أن الكثير من الكتاب والفنانين منفيون “جغرافياً”، إلا أنني أعتقد، أنهم بالأحرى كانوا منفيين هناك ـ في “الوطن” ـ منذ وعيهم الألم في البلاد التي وُلدوا فيها وعاشوا، أو لنقل منذ أن شعروا بوجع الرأس ووخزات القلب التي صاحبتهم نتيجة رؤيتهم لحيف الدولة الذي تُلحقه بالإنسان، ورفضهم العسف الاجتماعي الذي يُضيف لإرهاب السلطة، الشرعية التي تحتاجها لتحطيم الجمال، وعندما يتحول ” البقاء على قيد الحياة” إلى مغزى الحياة الرئيسي في بلدٍ ما، فإن جمال هذا البلد يتحول إلى ألم، ويتحول البلد ذاته إلى منفى. لكي أكون واضحاً أقول: أن المنفى لا يعرف حدوداً، والوجد لا يقاس بمسافة. إنه داخلي وقاتل. أن الغربة والمنفى يبدءان حينما يدرك المرء إنه وحيد ومهجور، عندما يضرب بأقدامه ليبحث عن أرض يستند إليها فتفر منه. الغربة تبدأ حين يبدأ القلب بعويله، أن المنفى أكبر من أن تعرفه حدود. أنه تهدم الصداقة مع العالم، مع الآخرين. بهذه الصورة يبدأ المنفى أولاً “هناك”، منذ وعي المرء للإبداع أو منذ وعيه للألم، والنفي “الجغرافي” هو تكملته التراجيدية. ضمن هذا التفسير يصح القول أن كل كتابة إبداعية هي في المحصلة إنجاز إبداعي عن “المنفى”، منفى الإنسان الأبدي وغربته، “هنا” و “هناك.
عند دراستي للأدب الألماني في سنوات ثمانينات القرن الماضي في جامعة هامبورغ، تخصصت في البداية بـ” أدب المنفى” الألماني، أولئك الكتاب الذين خرجوا بالعشرات بسبب سيطرة الحزب النازي وصعود هتلر للسلطة في عام 1933، فوجدت أن نسبة الروايات المكتوبة عن ” المنفى” الجغرافي لا تتعدى عدد الأصابع. الأمر نفسه ينطبق على الروايات المكتوبة باللغات الأخرى، أو على الأقل تلك الروايات التي أقرأها الآن بلغتها الأصلية ـ الأم ( وخاصة بالألمانية وبالإسبانية). أن معظم الأعمال العظيمة كتبت في المنفى، وليس عن المنفى “الجغرافي”، وهي تتحدث عن فكرة نفي الإنسان الأبدية، واغترابه عن مجتمعه، لأن المبدع متحالف مع غائب، وشخوصه يترجمون لغة إنسانية تتعدى الحدود وتسخر من تعريفات القوميين الضيقة، أو لأنهم بلغوا سن الرشد بتنصلهم عن “ثوابت” الهوية الثقافية الوطنية.

Najem Wali

Najem Wali ist ein irakischer Romanautor und Journalist, er lebt in Deutschland.

Najem Wali is an Iraqi novelist and journalist, based in Germany.

Najem Wali ist ein irakischer Romanautor und Journalist, er lebt in Deutschland.

Najem Wali is an Iraqi novelist and journalist, based in Germany.

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