Direkt zum Inhalt | Direkt zur Navigation

Sektionen

Copyright laws in Austria/ Urheberrechtsgesetze in Österreich

Good at being right – bad at defining right

The history of Austrian copyright law is one of omissions and procrastinations. Throughout the 19th century at the forefront of emerging copyright legislation in Austria was the idea of commercial property rights for publishing and the book market, while the works themselves at best were offered patchy protection. This was true for the 1846 legal patent for authors, the first attempt at Austrian copyright legislation; and half a century later it was no different for the 1895 first Austrian “Law on Copyright in Works of Literature, Art and Photography”. After the censorship of a first edition what was published fell almost without any check into the hands of processors and reprinters. Writers from Peter Rosegger to Arthur Schnitzler complained about the distribution of these copies outside Austria without ever being able to expect any form of remuneration. This was mainly because Austria – in contrast to Belgium, Germany, France, Great Britain, Italy, Switzerland or Spain – had not signed the 1886 Bern Convention for the Protection of Literary and Artistic Works.

This resulted in the continued significant exodus of Austrian writers to Germany where their works had considerably better protection. Not until 1920 did Austria – under coercion after the Peace Treaty of Saint Germain – join the Bern Convention of 1908, which by then had already been revised several times. The Austrian Copyright Law of 1936 followed which laid the foundation for current Austrian copyright. The ongoing development slowly continued. Major advances in Austrian copyright law only emerged when the incentive came from outside, for example, in 1982 with a big artists’ demonstration against low cable and satellite television fees or due to Austria’s membership of the European Union in 1995.

In the mid-1990s – a delay of 20-plus years compared with Germany – royalties for loans from libraries, fees for paper copies and reprints in school textbooks were introduced; and in 2015 – about 10 years later than Germany – charges were introduced for copies on storage media in Austria. Enormous economic damage has been done for Austrian writers and publishers due to these delays, while the economic advantage for temporary and popular use is considerable. Given the notorious lack of capital investment there can be no talk of the competitiveness of Austrian publishing products in the German-speaking market overall. Timeliness is not an attribute of Austrian copyright law, but precisely this would be more crucial than ever because of the fast pace of technical innovations.

For the first time in Austrian copyright history, however, one trend has not outpaced its success at such speed that revisions can only be relatively ineffective. In 2012, in Austria an artists’ initiative was set up known as “Kunst hat Recht” (“Art has Rights”). This group campaigned against the challenge to copyright law and any attempt at no-fee and free reprints of works by commercial and non-commercial agents on the Internet.

The challenge to copyright was established – though not in Great Britain – by conditions in America (not applicable to Europe) which involve the irrevocable and comprehensive transfer of artists’ rights up to 70 years after their death to producers. In addition, there is the prosecution of copyright breaches in Germany with legal notices of infringement claims, plus the draft Anti-Counterfeiting Trade Agreement ACTA 2012 to combat counterfeit goods and stolen copies. These measures had little to do with copyright law in the actual sense of authors’ rights and hardly anything to do with Austria. Everyone protested and demonstrated against copyright law. Artists, the true copyright holders, were not involved in the discussion held with consumers and producers and nor were the special problems in smaller European countries like Austria which are the economic sideshow to the bigger common linguistic areas.

The biggest success of artists campaigning with the “Art has Rights” platform was not that they achieved compulsory royalties for digital copies on storage media. Rather, it was that they turned around an earlier clear parliamentary majority for flat-rate models with one-off payments for works on general release for every intended use, i.e. the removal of prior copyright rules, to achieve a majority of votes for the development of copyright law based on former legal foundations. The chances were never better than now to fine-tune Austrian copyright law in the next few years both quickly and by balancing producers’ and consumers’ interests, and so that these changes do not adversely affect artists as well as being in line with current developments.

Translated by Suzanne Kirkbright

***

Gut im Rechthaben – schlecht im Rechtgeben

Die Geschichte des österreichischen Urheberrechts ist eine der Versäumnisse und Verspätungen. Das gesamte 19. Jahrhundert hindurch stand bei der Entwicklung des Urheberrechts in Österreich der Gedanke zum gewerblichen Rechtsschutz des Verlagswesens und Buchmarkts im Vordergrund, die Werke selbst blieben höchst löchrig geschützt. Das war beim Autorenrechtspatent von 1846, dem ersten österreichischen Urheberrechts-Regelungsansatz, so und war ein halbes Jahrhundert später beim ersten österreichischen „Gesetz betreffend das Urheberrecht an Werken der Literatur, Kunst und Photographie“ 1895 nicht anders. Was nach der Zensur zur Erstveröffentlichung freigegeben wurde, fiel fast ungehindert Bearbeitern und Nachdruckern in die Hände. Autoren von Peter Rosegger bis Arthur Schnitzler beklagten ihre Verbreitung außerhalb Österreichs, ohne dafür je mit irgendeiner Bezahlung rechnen zu können, und zwar hauptsächlich deshalb, weil sich Österreich im Gegensatz zu Belgien, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Schweiz oder Spanien der Berner Übereinkunft aus dem Jahr 1886 zum Schutz von Werken der Literatur und Kunst nicht anschloss.

Es kam zur bis heute folgenschweren Abwanderung österreichischer Autoren nach Deutschland, wo ihre Werke wesentlich besser geschützt waren. Erst 1920 trat Österreich – durch den Friedensvertrag von Saint Germain dazu gezwungen – der bereits mehrere Male verbesserten so genannten Revidierten Berner Konvention von 1908 bei. Es folgte das Österreichische Urheberrechtsgesetz von 1936, das die Grundlage des gegenwärtigen österreichischen Urheberrechts bildet. Seine schleppende Weiterentwicklung setzte sich fort, große Sprünge gab es im österreichischen Urheberrecht immer erst, wenn der Anstoß dazu von außen kam wie 1982 durch eine große Künstlerdemonstration gegen die zu geringe Abgeltung von Nutzungen durch das Kabel- und Satelliten-TV oder durch den österreichischen EU-Beitritt 1995.

Mit 20 und mehr Jahren Verspätung gegenüber Deutschland wurden Mitte der 1990er Jahre die Tantieme für Entlehnungen in Bibliotheken, die Vergütung von Papierkopien und die Abgeltung von Abdrucken in Schulbüchern, und mit rund 10 Jahren Verspätung gegenüber Deutschland 2015 die Vergütung für Kopien in Speichermedien in Österreich eingeführt. Der wirtschaftliche Schaden für österreichische Autoren und Verlage durch diese Verzögerungen ist enorm, der wirtschaftliche Vorteil für temporär populäre Nutzungen beträchtlich. Von Konkurrenzfähigkeit österreichischer Verlagsprodukte am gesamtdeutschsprachigen Markt kann angesichts des notorischen Eigenkapitalmangels keine Rede sein. Rechtzeitigkeit ist keine Eigenschaft des österreichischen Urheberrechts, gerade das wäre aber durch das hohe Tempo der technischen Neuerungen dringender geboten denn je.

Zum ersten Mal in der österreichischen Urheberrechtsgeschichte hat allerdings auch eine Entwicklung ihren Höhepunkt nicht so schnell überschritten, dass sie nur noch relativ unwirksam nachgeregelt werden kann. 2012 bildete sich in Österreich unter dem Titel „Kunst hat Recht“ eine Initiative von Künstlern, die gegen die Infragestellung des Urheberrechts und jeden Versuch der freien und kostenlosen Nachnutzung von Werken durch gewerbliche und nicht-gewerbliche Akteure im Internet auftrat.

Zur Infragestellung des Urheberrechts dienten die – ausgenommen Großbritannien – auf Europa nicht zutreffenden amerikanischen Verhältnisse, wie die unwiderrufliche und umfassende Rechteabtretung von Künstlern bis 70 Jahre nach ihrem Tod an Produzenten, ebenso die Verfolgungen von Urheberrechtsverletzungen in Deutschland mit anwaltlichen Abmahnschreiben und auch der Entwurf des Anti-Piraterie-Abkommens ACTA 2012 zur Bekämpfung der Produktpiraterie und von Raubkopien. Mit dem Urheberrecht im eigentlichen Sinn, dem Recht der Autoren, hatte das nur wenig und mit Österreich das Allerwenigste zu tun. Alle protestierten und demonstrierten gegen das Urheberrecht. Künstler, die eigentlichen Rechteinhaber, waren in der Diskussion zwischen Konsumenten und Produzenten nicht vorgesehen und ebenso nicht die speziellen Problemlagen in kleineren europäischen Ländern wie Österreich, die der ökonomische Nebenschauplatz größerer gemeinsamer Sprachräume sind.

Der größte Erfolg der Künstler der Plattform „Kunst hat Recht“ bestand nicht darin, dass sie die Vergütungspflicht für digitale Kopien in Speichermedien durchsetzten, sondern dass sie aus einer zuvor deutlichen parlamentarischen Mehrheit, die für Flatrate-Modelle mit einmaligen pauschalen Abgeltungen von Werken zur generellen Freigabe für jeden Verwendungszweck und damit der Ablöse des bisherigen Urheberrechts war, eine Mehrheit von Befürwortern für den Ausbau des Urheberrechtes auf den bisherigen Rechtsgrundlagen gemacht hatten. Die Chancen, das österreichische Urheberrecht in den nächsten Jahren rechtzeitig und ausgewogen zwischen Produzenten- und Konsumenteninteressen und trotzdem nicht zu Lasten der Künstler den aktuellen Entwicklungen anzupassen, sind nie besser gestanden als derzeit.

Gerhard Ruiss

Gerhard Ruiss, b. 1951 in Ziersdorf/Lower Austria, writer, musician, Managing Director of IG Autorinnen Autoren. Author of literary guides and works of non-fiction and literary publications. Awards: 2012 professional title of “Professor”, 2013 Wolfgang Lorenz Gedenkpreis für internetfreie Minuten, 2014 Medal of the Austrian Book Trade of Special Merit for the Book.

Gerhard Ruiss wurde 1051 in Ziersdorf/Niederösterreich geboren. Er ist Schriftsteller, Musiker und leitender Geschäftsfühere der IG Autorinnen Autoren. Er schreibt literarischer Leitfäden, Sachbücher sowie literarische Arbeiten. Auszeichnungen: 2013 Wolfgang Lorenz Gedenkpreis für internetfreie Minuten, 2014 Medaille des Österreichischen Buchhandels für besondere Verdienste um das Buch.

Gerhard Ruiss, b. 1951 in Ziersdorf/Lower Austria, writer, musician, Managing Director of IG Autorinnen Autoren. Author of literary guides and works of non-fiction and literary publications. Awards: 2012 professional title of “Professor”, 2013 Wolfgang Lorenz Gedenkpreis für internetfreie Minuten, 2014 Medal of the Austrian Book Trade of Special Merit for the Book.

Gerhard Ruiss wurde 1051 in Ziersdorf/Niederösterreich geboren. Er ist Schriftsteller, Musiker und leitender Geschäftsfühere der IG Autorinnen Autoren. Er schreibt literarischer Leitfäden, Sachbücher sowie literarische Arbeiten. Auszeichnungen: 2013 Wolfgang Lorenz Gedenkpreis für internetfreie Minuten, 2014 Medaille des Österreichischen Buchhandels für besondere Verdienste um das Buch.

Alle Beiträge von Gerhard Ruiss
Donnerstag Do 18 18 Februar Feb 02 2 16 2016 Februar Feb 02 2 Donnerstag Do 18 18 16 2016 12 12 0 00 00 Uhr AM