Direkt zum Inhalt | Direkt zur Navigation

Sektionen

Building Bridges – the wrong moment?/ Brücken schlagen – unzeitgemäß?

When the ELit Literaturhaus Europa (Literature House Europe) was first launched, we undertook a small experiment with our authors, an idea called readme: ‘You tell me what you read and I’ll tell you who you are!’ (http://readme.cc). We felt distinctions like ‘Either books or Digital Media’ were superfluous, even more so ‘Ink good, Computer bad’. We’re passionate readers and we work with digital media and celebrate the opportunities they’ve brought to literature. Seeking and surfing: communicating culture via old and new technologies.

Whenever I think about the development of this experiment on readme.cc, our European literature platform, in the creation of our European Literature Days and now in the evolution into Literature House Europe, I’m amazed by the breath-taking speed with which information technology is changing our lives. But I find this speed paradoxically numbing – and unsettling. Because it’s clear to me that our collective, careful search for a new and up-to-date work domain for literature, which we began in 2002, created a rest area for literature, a virtual as well as a real redoubt, insulated from the raging neo-liberalism of our times. We’re well set up against this world of frenzied entertainment, I said to my colleague Beat, we’ve prepared well for the time we’re obviously living through, even though we don’t have a name for it.
It’s astonishing, how innovative thought and conservative mind-set meet in such a situation. Twelve years previously, we were renegades from the literature business. We were even called ‘literary wreckers’ by the most zealous of the self-appointed guardians of the intelligentsia. How often did I hear the accusation that online texts had as good as abandoned their artistic value! And how we were dismissed as stupid semi-nerds, when we coolly talked about hypertexts and e-books! And all because we were inquisitive…

We’re still doing it. We’re trying to create real meetings of the mind and of the senses in literature. We’re trying to build bridges between cultural technologies, between cultures and languages, between the diverse mentalities of different generations in a whole range of countries. That’s what Literature House Europe is about.
Take, for example, the link between the comic and the graphic novel. The geographic closeness of the towns of Spitz and Krems along the Danube provided the initial stimulus. Crucially, the wonderful artistic director of the Krems Museum of Caricature, Gottfried Gusenbauer, was the second. It was his wholehearted wish to bring these two genres together, though without himself taking the leading role. We had invited Comic artists and writers to the European Literature Days the previous year. That doesn’t seem especially sensational. Even the Arts pages (Feuilleton) didn’t seem to know what to make of it. Demarcation lines are quickly drawn up and are just as quickly swept away. The history of literature is the history of crossing lines. The coming together of the Literature Days and the Museum of Caricature is a complex matter, which requires effort and courage. We’re asking two genres with very different codes of conduct to meet in Spitz an der Donau. Exciting, I think!

Translated by Max Easterman

***

 

Am Beginn von ELit Literaturhaus Europa stand ein kleines Autorenexperiment. Die Idee von readme: “Sag mir, was du liest und ich sag dir, wer du bist!” (http://readme.cc). Wir hielten dieses “Entweder Buchkultur oder digitale Medien” für entbehrlich, noch entbehrlicher dieses “In der Tinte sitzt der Geist” und “im Computer der Ungeist”. Als leidenschaftliche Bücherleser beschäftigten wir uns mit digitalen Medien und freuten uns über hinzugewonnene Möglichkeiten für die Literatur. Pilgern & Surfen: Vermitteln von alten und neuen Kulturtechniken.

Wenn immer ich über die Entwicklung dieses Autorenexperiments zur europäschen Plattform für Literatur readme.cc, zur Schaffung der Europäischen Literaturtage und nun zur Erweiterung zu ELit Literaturhaus Europa nachdenke, erstaunt mich das atemberaubende Tempo, mit dem die Informationstechnologien unser Leben verändern. Die Geschwindigkeit, die sich paradoxerweise geradezu lähmend anfühlt, beunruhigt mich. Und ich mache mir dann klar, dass das gemeinsame besonnene Suchen nach einem neuen und zeitgemäßen Arbeitsfeld für Literatur, das wir 2002 starteten, eine Ruhezone für Literatur geschaffen hat, ein virtuelles wie reales Nest, das der neoliberalistischen Entfesselung unserer Welt standhält. Wir sind gut aufgestellt in dieser Welt der Unterhaltungswut, sage ich zu Beat, wir haben uns gut vorbereitet für diese Zeit, in der wir offenkundig leben, ohne für sie einen rechten Namen zu haben.

Erstaunlich, wie sich innovativer Geist und konservative Zurückhaltung kreuzen in solcher Einsicht. Vor zwölf Jahren waren wir Renegaten im Literaturbetrieb. “Literaturvernichter” gar nannten uns die eifrigsten unter den selbsternannten Verteidigern der Geisteswelt. Wie oft ich hörte, dass Texte, die ins Internet gestellt werden, quasi ihres künstlerischen Wertes beraubt wären! Und wie wir als leicht doofe Halb-Nerds abgetan wurden, wenn wir gelassen von Hypertexten, später von ebooks sprachen! Aus purer Neugierde.

Wir tun es immer noch. Und bemühen uns um reale Begegnungen, um sinnliche Erfahrungen mit Literatur. Wir versuchen Brücken zu schlagen zwischen Kulturtechniken, zwischen Kulturen und Sprachen, zwischen den verschiedenen Mentalitäten verschiedener Generationen aus verschiedenen Ländern. So ließe sich die Atmosphäre im ELit Literaturhaus beschreiben.

Zum Beispiel der Brückenschlag zu Comic und Graphic Novel. Die geographische Nähe von Spitz an der Donau und Krems an der Donau gab einen ersten Anstoß. Der wunderbare künstlerische Leiter des Karikaturmuseums, Gottfried Gusenbauer, den entscheidenden zweiten. Auch ihm liegt am Herzen, diese beiden Felder ohne Führungsansprüche zueinander zu führen. Seit dem Vorjahr werden Comic Zeichner und Comicautoren zu den Europäischen Literaturtagen eingeladen. Das klingt weniger spektakulär. Auch das Literatur-Feulletion denkt inzwischen über das eine wie das andere nach. . Formale Grenzen sind schnell ausgemacht und letztlich auch schnell überwunden. Die Geschichte der Literatur ist eben auch eine Geschichte der Überschreitungen. Das andere der Annäherung zwischen den Europäischen Literaturtagen und dem Karikaturmuseums Krems ist aber das Anstrengende, Komplizierte, das jedenfalss Mut erfordert. Wir laden zwei Milieus mit extrem verschiedenem Verhaltenscodex dazu ein, einander in Spitz an der Donau zu begegnen. Spannend, finde ich.

Walter Grond

Walter Grond, geboren 1957, österreichischer Romancier und Essayist. Er ist Künstlerischer Leiter von ELiT Literaturhaus Europa.

Walter Grond, born 1957, Austrian novelist. He is artistic director of ELit Literaturehouse Europe.

Walter Grond, geboren 1957, österreichischer Romancier und Essayist. Er ist Künstlerischer Leiter von ELiT Literaturhaus Europa.

Walter Grond, born 1957, Austrian novelist. He is artistic director of ELit Literaturehouse Europe.

Alle Beiträge von Walter Grond
Montag Mo 24 24 März Mär 03 3 14 2014 März Mär 03 3 Montag Mo 24 24 14 2014 12 12 0 00 00 Uhr AM