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Sektionen

Freitag, 17. November

Fr 17.11.2017, ab 9.30 Uhr

Begrüßung und Einführung in das Tagesthema „Angst überall“

Walter Grond, Künstlerischer Leiter der Europäischen Literaturtage

Schloss zu Spitz

Fr 17.11.2017, 9.30 Uhr

Angst macht sich allerorts breit. Die wachsende Konkurrenz zwischen Staaten, Ethnien und Wirtschaftspartnern fördert ein Klima der Anspannung. Die Kultivierung der Angst ist eine wesentliche Triebfeder des Liberalismus, wie es der französische Philosoph Michel Foucault formulierte: »Die Freiheit zu erobern spiegelt sich im Wunsch, alles zu kontrollieren, wider.«

Angst, Angstlust und Angstmache sind Grundbefindlichkeiten wie politische Strategien, die unsere Gegenwart prägen. Die Angst der Flüchtenden und die Angst vor Flüchtlingen; die Angst vor der Verarmung und die vor dem Umsturz; die Angst vor Faschismus und Krieg wie die vor der globalisierten Welt; die Angst vor dem religiösen Fundamentalismus wie die vor dem Werteverlust; die Angst vor der Technik wie die davor, technisch abgehängt zu werden; die Angst vor der permanenten Kommunikation wie die vor dem Verlust der Sprache; die Angst vor Orientierungslosigkeit wie die vor der totalen Kontrolle – die Aufzählung ließe sich endlos fortsetzen. Unser Leben scheint prekär geworden zu sein.

So unterschiedliche Schriftsteller und Philosophen wie Jürgen Habermas und Pankaj Mishra fordern für unsere aus den Fugen geratene moderne Welt eine neue Aufklärung. In unseren unwiderru ich durchmischten und extrem ungleichen Gesellschaften müsse Kritik künftig einhergehen mit Mitgefühl und grenzenloser Selbsterkenntnis.

Als unsere Gegenwart begann

AutorInnen: Elisabeth Åsbrink, Sergej Lebedew
Moderation: Carl Henrik Fredriksson

Schloss zu Spitz

Fr 17.11.2017, 9.45 Uhr

Freier Eintritt, Reservierung notwendig

Elisabeth Åsbrink und Sergej Lebedew schreiben beide hochaktuelle Bücher, in deren Mittelpunkt die Geschichte Europas seit dem Zweiten Weltkrieg und ihre Auswirkungen auf die Gegenwart steht.

In ihrem Buch 1947. Als die Gegenwart begann zeichnet Elisabeth Åsbrink das Jahr 1947 nach und stößt dabei auf überraschende Zusammenhänge zu den gegenwärtigen Ereignissen: Flücht- linge, die in Schi en illegal über das Mittelmeer nach Europa kommen, Diskussionen über den Begri Völkermord oder Großbritannien, das sich politisch zurückzieht.

Russland im Jahr 1991: Ein Putsch bringt das Land zum Beben, Gorbatschow wird abgesetzt, Jelzin übernimmt die Macht und Putin kann kaum erwar- ten, der Nächste zu sein. Auch der russische Aus- nahmeschriftsteller Sergej Lebedew geht in seinem Roman Menschen im August der jüngeren Vergangenheit nach. Sein Roman lässt Schlüsse über die Gegenwart ziehen. Warum wird die Kluft zwischen dem Osten und dem Westen wieder größer? Was hat es mit der männlichen aggressiven Kultur auf sich, die heute das Weltgeschehen dominiert?

Ein für die Europäischen Literaturtage zum Thema verfasster Text von Sergej Lebedew ist bereits
im Vorfeld auf der Homepage der Europäischen Literaturtage zugänglich. 

Über den Terror

AutorInnen: Gila Lustiger, Karim Miské
Moderation: Katja Petrovic

Schloss zu Spitz

Fr 17.11.2017, 11.45 Uhr

Freier Eintritt, Reservierung notwendig

Die beiden in Paris lebenden SchriftstellerInnen Gila Lustiger und Karim Miské beschäftigen sich mit der Angst, Europa könnte seine liberalen Werte verlieren. Wo liegen politische Versäumnisse? Und kann man in Zukunft solche Katastrophen wie die Terroranschläge in Paris verhindern?

In ihrem Essay Erschütterung versucht Gila Lustiger, die Anschläge von Paris im November 2015 und die Stimmung in den Wochen danach zu beschreiben. Ein besonderes Augenmerk schenkt sie dabei auch den medialen Phänomenen und der zur Schau getragenen Empathie in den Sozialen Medien: #JesuisCharlie und #JesuisParis.

Der an der Elfenbeinküste geborene französische Autor und Filmer Karim Miské widmet sich in seinen Arbeiten dem religiösen Fanatismus und Fundamentalismus. Sein Roman Arab Jazz spielt unter islamistischen Muslimen im Melting Pot von Paris. Er arbeitet an einer Langzeit-Filmdokumentation über die Fundamentalistenströmungen in Frankreich. 

Von Fukushima in die Wüste Gobi – die Wunden unserer Zeit

Autoren: Aleš Šteger, Andrzej Stasiuk
Moderation: Carl Henrik Fredriksson

Schloss zu Spitz

Fr 17.11.2017, 15.00 Uhr

Freier Eintritt, Reservierung notwendig

Aleš Šteger und Andrzej Stasiuk sind beide Reisende und Schreibende, haben keine Scheu vor Krisengebieten und berichten beide von Brennpunkten unserer gegenwärtigen Welt. Was haben sie von der Welt jenseits der eigenen zu erzählen, und wie beein usst die Konfrontation mit dem Anderen ihr Denken und Fühlen und Schreiben?

Aleš Šteger verbrachte in den letzten Jahren für sein Logbuch der Gegenwart Tage u.a. nahe dem Atomkraftwerk von Fukushima, in Mexico City, Indien oder aber in Belgrad beim Zwischenstopp syrischer Flüchtlinge auf ihrem Weg nach Ungarn. Er nimmt sich jeweils zwölf Stunden Zeit, um seine Eindrücke festzuhalten. Der Blick des Dichters tri t auf nüchterne Realität.

Andrzej Stasiuk erzählt in seinen Büchern von Gefängnis und Gewalt, vom Ende Osteuropas im Zeitalter der Globalisierung und von menschenleeren Landschaften, in denen er zu sich findet.
Der Osten, wie sein jüngstes Buch heißt, bezieht sich nicht auf eine Himmelsrichtung, sondern auf eine Haltung, und auch auf die Verheißung eines Lebens jenseits des Grauens der Vergan- genheit und der Bedrohungen der Gegenwart. Ist Emphatie ein Mittel gegen die Angst? Welche Rolle spielen Transzendenz und poetische Epiphanie in den Schreib- und Lebensentwürfen der beiden Schriftsteller? 

Designte Gefühle, verlassene Welten

Autoren: Jaroslav Rudiš, Leif Randt
Moderation: Katja Petrovic

Schloss zu Spitz

Fr 17.11.2017, 17.00 Uhr

Freier Eintritt, Reservierung notwendig

Jaroslav Rudiš und Leif Randt sind beide für ihre Generation stil- und themenprägende Autoren. Sie bedienen sich verschiedener Formen und Genres, um gegenwärtige Befindlichkeiten und Grundstimmungen in Literatur zu fassen. Mit neuen Ausdrucksformen nähern sie sich einer immer schwerer verständlichen Welt.

Vom Ende des Punks in Helsinki von Jaroslav Rudiš befasst sich mit der Punkszene in der ČSSR und der DDR sowie auch mit aktuellen Themen wie Gentri zierung. Wie auch anderen Romane und der Graphic Novel Alois Nebel reflektiert der Roman die Geschichte Mitteleuropas und ihrer Sehnsuchtsorte. Die zentrale Frage, die er stellt, lautet: Man kann nicht ewig Punk sein. Aber was dann? Was wird aus Widerständigkeit? Folgt auf vitale Subkulturen der Vergangenheit das Dahinvegitieren in der Gegenwart?

Schimmernder Dunst über CobyCounty von Leif Randt wirft Licht auf unsere technologische Wohlstandsgesellschaft. Jedes Jahr im Frühling strömen begabte Menschen aus allen Nationen nach CobyCounty, dem berühmten Ort am Meer, wo Kulturscha ende viel Geld verdienen, das Meer von überall zu sehen ist und Lebensglück schein- bar zur Grundausstattung gehört. Am Horizont kündigt sich bereits ein großes Unglück an.
Wie gehen die beiden Autoren mit der Informations- und Bilderflut unserer Gegenwart um, wie mit Medien und der sogenannten postfaktischen Gesellschaft?

Flucht aus dem Paradies

Autorinnen: Deborah Levy, Elif Shafak
Moderation: Rosie Goldsmith

Schloss zu Spitz

Fr 17.11.2017, 19.30 Uhr

Tickets EUR 8,-/6,-

Black Vodka
Lesung und Gespräch mit Deborah Levy
Moderation: Rosie Goldsmith

Die Figuren der zehn Geschichten von Black Vodka bewegen sich zwischen Wien und Rom, Barcelona und Prag. Unterwegssein bedeutet für sie, vor Beziehungen auf der Flucht zu sein oder beim Kennenlernen schon an den Abschied zu denken und gar nicht erst hinter der coolen Fassade hervorzukriechen. Im Gespräch mit Rosie Goldsmith geht es u.a. um die Angst vor Bindung sowie um Melancholie und Eleganz in der Sprache.

anschließend

Der Geruch des Paradieses
Lesung und Gespräch mit Elif Shafak
Moderation: Rosie Goldsmith

In ihrem Roman Der Geruch des Paradieses widmet sich Elif Shafak aktuellen Themen der heutigen Zeit. Eine berührende und zugleich explosive Geschichte über Identität, Politik, Glauben und die Türkei. Im Gespräch mit Rosie Goldsmith geht es um den Kampf zwischen Tradition und Moderne, der im Mittelpunkt des Romans steht. 

anschließend

Übergabe des Ehrenpreises an Elif Shafak im Rahmen der Literarischen Soiree durch den Präsidenten des Hauptverbandes des Österreichischen Buchhandels Benedikt Föger
Die diesjährige Preisträgerin des Ehrenpreises des Österreichischen Buchhandels für Toleranz in Denken und Handeln ist die türkische Autorin Elif Shafak. Die 1971 in Straßburg geborene und in London lebende Autorin gehört zu den meistgelesenen
Schriftstellerinnen in der Türkei, ihr Werk ist in 30 Sprachen übersetzt.

Der Ehrenpreis ist mit 10.000 Euro dotiert und wird seit 1990 vom Hauptverband des
Österreichischen Buchhandels und dem Fachverband Buch- und Medienwirtschaft der
Wirtschaftskammer Österreich ausgerichtet.

 

Ausstellungseröffnung und Empfang der Gemeinde Spitz

Gebunden an Wasser - Fotographien aus dem Donaudelta   

Ein Photoprojekt von Lisi Niesner, Georg Hochmuth

Schloss zu Spitz

Fr 17.11.2017, ca. 21.00 Uhr

Freier Eintritt

Das Donaudelta ist Europas größtes Feuchtgebiet und gehört zum UNESCO Weltkulturerbe. Teile der Region zählen zu den ärmsten und abwanderungsstärksten Gebieten der Europäischen Union. Jene, die geblieben sind, leben vom Fluss.

Lisi Niesner, geboren 1983 in Wien, und Georg Hochmuth, geboren 1970 in Nantwich/UK, absolvierten beide das Fachgebiet Fotogra e an der „Graphischen“ in Wien und arbeiten teils in der konzeptuellen Fotogra e teils
in der Fotoreportage. Ihre motivisch sehr klaren und technisch brillanten Fotoarbeiten werden regelmäßig ausgestellt und prämiert. Georg Hochmuth wurde 2010 als bester Pressefotograf ausgezeichnet.

in Kooperation mit der Österreichisch-Rumänischen Gesellschaft und dem institut für den Donauraum und Mitteleuropa (iDM).