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Europäische Literaturtage

Die Europäischen Literaturtage sind der Höhepunkt der Jahrestätigkeit von EliT Literaturhaus Europa. Im einzigartigen Ambiente der Wachau trifft sich das literarische Europa im Herbst zu einem Wochenende des Austausches, Diskutierens, Konfrontiert- und Vertraut-Werdens mit europäischer Literatur.

Die Europäischen Literaturtage bestehen aus einem Symposium mit geladenen und akkreditierten TeilnehmerInnen, das die Jahresthemen des Observatoriums der europäischen Gegenwartsliteratur behandelt, und aus öffentlichen Lesungen und AutorInnengesprächen europäischer AutorInnen, Filmvorführungen und Performances.
Ergänzt wird das Programm durch Workshops und Lesungen in Schulen und im Karikaturmuseum Krems für junge LeserInnen. Die Kooperation mit den Europäischen Literatur-Jugendbegegnungen bereichert die Europäischen Literaturtage um innovative Formen der Literaturbegegnung.

 

Europäische Literaturtage 2017
16. bis 19. November 2017

Angst überall

Angst macht sich allerorts breit. Oder genauer: Angst hat nach einer beispiellos langen Periode des sozialen und politischen Friedens auch (West)-Europa wieder erreicht. Die wachsende Konkurrenz zwischen Staaten, Ethnien und Wirtschaftspartnern fördert ein Klima der Anspannung. Die Kultivierung der Angst ist eine wesentliche Triebfeder des Liberalismus, wie es der französische Philosoph Michel Foucault formulierte:  die Freiheit zu erobern spiegelt sich im Wunsch, alles zu kontrollieren, wieder.

So unterschiedliche Schriftsteller und Philosophen wie Jürgen Habermas und Pankaj Mishra fordern für unsere aus den Fugen geratene moderne Welt eine neue Aufklärung. Der indische Schriftsteller Pankaj Mishra schlägt beispielsweise vor, in Zeiten des schonungslosen Finanzkapitalismus und des herauf beschworenen apokalyptischen Kampfes der Kulturen die Freiheiten neu zu denken. In unseren unwiderruflich durchmischten und extrem ungleichen Gesellschaften müsse Kritik einhergehen mit Mitgefühl und grenzenloser Selbsterkenntnis.

Die Europäischen Literaturtage 2017 machen die prägende Grundstimmung unserer Zeit zum Thema: die Angst. Angst, Angstlust, Angstmache sind Grundbefindlichkeiten wie politische Strategien, die unsere Gegenwart prägen. Die Angst der Flüchtenden und die Angst vor Flüchtlingen; die Angst vor der Verarmung und die vor dem Umsturz; die Angst vor Faschismus und Krieg wie die vor der globalisierten Welt; die Angst vor dem religiösen Fundamentalismus wie die vor dem Werteverlust; die Angst vor der Technik wie die davor, technisch abgehängt zu werden; die Angst vor der permanenten Kommunikation wie die vor dem Verlust der Sprache; die Angst vor Orientierungslosigkeit wie die vor der totalen Kontrolle – die Aufzählung ließe sich endlos fortsetzen. Unser Leben scheint prekär geworden zu sein.

Alle diese ganz unterschiedlichen Ängste haben die Literatur seit je her fasziniert, als Triebfeder beim Schreiben wie als literarisches Thema. Im Schreiben steckt gleichermassen die Angst vor der Unfreiheit wie vor dem Selbstverlust. Die Europäischen Literaturtage 2017 laden internationale AutorInnen ein, die in ihren Werken diesem Grundbefinden unserer Zeit nachgehen und davon erzählen, wie sich Ängste in unserer Gesellschaft breit machen, dass uns zuweilen nur das Fürchten zu bleiben scheint. 


Informationen und Details ab Juni.