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Europäische Literaturtage

Die Europäischen Literaturtage sind ein außergewöhnliches Literaturfestival, das jährlich im Herbst stattfindet. Im einzigartigen Ambiente der Wachau trifft sich das literarische Europa zu einem Wochenende der Begegnung und des Austausches. Ein interessiertes Publikum macht sich mit europäischer Literatur vertraut, begegnet internationalen SchriftstellerInnen und genießt mit ihnen gemeinsam die Gastfreundschaft der Wachau.

Die Europäischen Literaturtage bestehen aus Dialogen zu aktuellen Themen, aus Lesungen und Gesprächen zu ausgewählten Büchern sowie aus Konzerten, kulinarischen Verkostungen und Besuchen kunsthistorischer Highlights der Wachau.
Ergänzt wird das Programm durch Workshops und Lesungen für junge Menschen in Schulen und im Karikaturmuseum Krems. Die Kooperation mit eljub-Europäische Jugendbegegnung bereichert die Europäischen Literaturtage um innovative Formen der Literaturbegegnung.

Die Europäischen Literaturtage wurden 2017 von der European Festivals Association als ein herausragendes europäisches Festival mit dem EFFE Label ausgezeichnet.

Europäische Literaturtage 2017
16. bis 19. November 2017

VORWORT

SchriftstellerInnen sind eigenwillige Seismografen der Welt. Sie sind auch wortgewandte ExpertInnen für verschiedene Ängste, die uns plagen. Ängste haben die Literatur seit jeher fasziniert, als Triebfeder des Schreibens wie als literarisches Thema. Schreiben entsteht nicht selten aus Angst vor Unfreiheit wie auch aus Angst davor, sich im Chaos der Realität zu verlieren. Und: Nicht wenige SchriftstellerInnen verfügen über die Fähigkeit, im Schreiben Trost und Zuversicht zu schöpfen.

Angst, Angstlust, Angstmache sind Grundbefindlichkeiten wie politische Strategien, die unsere Gegenwart prägen. Nach einer beispiellos langen Periode des sozialen und politischen Friedens hat Angst auch (West)-Europa wieder erreicht. Mit einem Teil des Programms nehmen sich die Europäischen Literaturtage 2017 diesem Grundgefühl unserer Zeit an. Die einzelnen Veranstaltungen beziehen sich dabei auf herausragende Bücher der letzten Jahre. In den Dialogen und Lesungen zum Thema analysieren SchriftstellerInnen Aspekte von Angst überall und fragen nach den Möglichkeiten von Erkenntnis und Empathie, die dabei helfen könnten, zuversichtlich nach vorne zu blicken.

Zur Eröffnung lädt zum zweiten Mal Robert Menasse zum Gespräch. Er diskutiert in diesem Jahr mit Philipp Blom über dessen erstaunliches Buch zur Geschichte der kleinen Eiszeit in der frühen Neuzeit. Im Zentrum steht die Frage, ob und wie viel dieses Ereignis in der Vergangenheit mit unserer Gegenwart zu tun hat, und was das für Europa bedeutet.

Auch eine Reihe von Dialogen und Lesungen am Freitag beziehen sich auf das Thema Angst überall . Ob Aleš Štegers Logbücher der Gegenwart, Leif Randts Romane über die technologische Wohlstandsgesellschaft, Gila Lustigers Essay über den Terror, Andrzej Stasiuks Bücher über Totalitarismus und Utopie, Elif Shafaks Romane über die Brüche von Tradition und Moderne, Jaroslav Rudiš Romane und Drehbücher über den Verlust von Identität oder Deborah Levys  Erzählungen über die Flucht vor Bindungen - es geht um Fragen unserer Gegenwart und auch - wie im Fall von Elisabeth Åsbrinks neuem Buch - darum, wie diese Gegenwart entstanden ist. Der russische Schriftsteller Sergej Lebedew verfasste für die Europäischen Literaturtage einen Text, der leitmotivisch wirken wird. Wir bieten bei allen Veranstaltungen wieder ein simultanes Dolmetsch-Service an, so kann man den Dialogen und Lesungen in deutscher und englischer Sprache folgen.

Eine weitere Programmschiene stellt ausgewählte Bücher vor, kombiniert mit Weinverkostungen, kulinarischen Feinheiten und Musik. Am Samstag Abend hören Sie Poesie von Arno Camenisch in Rätoromanisch und Deutsch, norwegische Erzählkunst von Hanne Ørstavik, preisgekrönte Gesellschaftssatire aus Großbritannien von Sharon Dodua Otoo und hervorragende Literatur von Dana Grigorcea  über Bukarest, die von Witz bis Poesie alles kann. Die fein gesponnene Prosa von Stevan Paul leitet zum kulinarischen Teil über – ein Essen nach Rezepten aus Pauls Roman Der große Glander. Am Sonntag schließlich gibt es die Symbiose von Lyrik und Jazz: Gedichte von Cornelia Travnicek  und Musik von Wolfgang Puschnig und Jon Sass.

Die Europäischen Literaturtage sind geprägt von einer Atmosphäre der Begegnung und der Inspiration. SchriftstellerInnen und BesucherInnen aus verschiedenen Ländern verbringen gemeinsame Zeit, essen und trinken miteinander, flanieren durch Spitz und kommen ins Gespräch. In dieser Atmosphäre des Austausches, Nachdenkens, aber auch Genießens wurden schon mehrere Ideen zu neuen Büchern geboren. Etwa von Mathias Énard und A.L. Kennedy, um zwei unserer Gäste zu nennen, die uns besonders beeindruckten.

Wir laden Sie herzlich ein, dabei zu sein!

Walter Grond
Künstlerischer Leiter von  Literaturhaus Europa