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Sektionen

Symposium der Europäischen Literaturtage 2016

Zu den beim Symposium besprochenen Themen werden laufend Blogs und Dossiers Online publiziert, welche die Vorträge und Diskussionen bei den Europäischen Literaturtagen vor- und aufbereiten.

Themen der Europäischen Literaturtage 2016


Die Europäische Republik
Ist es Zeit, Europa neu zu denken? Wie könnten heutzutage utopische Experimente aussehen? Wie stellen sich die VordenkerInnen Ulrike Guérot und Robert Menasse die Zukunft unserer Gesellschaft vor?
„Menasse ist Erzähler und Polemiker, kühler Geschichtsdenker ebenso wie visionärer Schwärmer, der, bevor er abhebt, sich der Fakten vergewissert. Und er ist ein Verführer, der Kraft seiner Sprache Überzeugungsarbeit leistet“, schrieben die Salzburger Nachrichten über Robert Menasses Buch Der Europäische Landbote, für das er nach Brüssel gereist war und dort zur Kenntnis hatte nehmen müssen, dass kaum eines der verbreiteten Klischees vom verknöcherten Eurokraten zutrifft. In seinem dem Geist Georg Büchners verpflichteten Essay forderte Menasse nichts weniger als "die Erfindung einer neuen, einer nachnationalen Demokratie". Gemeinsam mit der Politikwissenschaftlerin Ulrike Guérot schrieb er das Manifest für die Begründung einer Europäischen Republik. Seitdem lassen die beiden immer wieder mit visionären Ideen aufhorchen: Sie plädieren für Grenzenlosigkeit, für das Recht von Flüchtlingen, in Europa eigene Städte zu bauen und für die Rekonstruktion der freien Welt.
Eröffnung “Robert Menasse lädt zum Gespräch ins Literaturhaus Europa”
Do., 3.11.16, 19:30 Klangraum Minoritenkirche Krems


Die Kolonisten
Wie sieht ein afrikanisches Land im Roman eines Europäers aus, und wie in einem Roman eines Autors aus Afrika? Und wie Indien im Roman eines Europäers, und wie in einem Roman eines Autors aus Indien?
In seinem bei den Europäischen Literaturtagen 2015 vorgestellten Roman Pest & Cholera weist der französische Autor Patrick Deville auf eine Dynamik des europäischen Kolonialismus seit dem 19. Jahrhundert hin, die auch SchriftstellerInnen und die Literatur betrifft. Im Bestreben, die ganze Welt zu europäisieren, brechen im Namen des Fortschritts Entdeckungsreisende, ForscherInnen und WissenschaftlerInnen, ReiseschriftstellerInnen und AbenteurerInnen in vermeintlich unbekanntes Territorium auf, schreiben über die für sie fremden Kulturen, und setzen damit den Prozess der Kolonisierung in Gang. Ihnen folgen die Militärs und Handelsherren, die das Land erobern, europäisieren und am Ende sehr oft ins Chaos treiben.
Im Wettstreit der Kolonialmächte um die Weltherrschaft von 1860 bis heute prägen auch die reisenden SchriftstellerInnen das Bild der außereuropäischen Kulturen mit. Von Joseph Conrad, Andre Malraux bis Hubert Fichte und Bruce Chatwin lässt sich sagen, dass sie jeweils die Literatur ihrer Herkunftsländer bereichert und erweitert, aber ebenso das Bild der Kulturen, über die sie geschrieben haben, beeinflusst haben. Wie ist das heutzutage mit SchriftstellerInnen in unserer globalisierten Welt? Wie kann man ihre verschiedenen Zugänge zum besseren Verständnis der Welt nutzen?
Symposium Teil 1 “Die Kolonisten” Fr, 4.11.16, 10:00 Schloss zu Spitz


Was schafft Aufmerksamkeit?
Welche AutorInnen, und welche Bücher waren im vergangenen Jahrzehnt über ihre ursprünglichen Sprachgrenzen hinaus erfolgreich? Welche Macht kommt den großen Buch- und Medienkonzernen zu, und welche den SpezialistInnen in den kulturellen Nischen?
Bücher zu lesen ist keine Selbstverständlichkeit. Eine Fülle von Angeboten aus anderen Medien steht in Konkurrenz um die Aufmerksamkeit der Lesenden. Und was vielen als ein in sich geschlossenes Universum des Buchs, der Schreibenden und der Lesenden erscheinen mag, ist längst eine Welt mit vielen höchst unterschiedlichen Planeten, die um ihr Zielpublikum kreisen, ohne feste Verbindungen untereinander.
Der Diversity Report 2016 geht den aktuellen Entwicklungen am Beispiel von Übersetzungen von Literatur in Europa nach. Welche AutorInnen, und welche Bücher waren im vergangenen Jahrzehnt über ihre ursprünglichen Sprachgrenzen hinaus erfolgreich? Welche Grenzen lassen sich erkennen? Was verändert sich? Haben Preise noch bedeutenden Einfluss in der Ökonomie der Aufmerksamkeit? Wie verhält es sich mit von den AutorInnen selbst verlegten Büchern? Welche Macht kommt den großen Buch- und Medienkonzernen zu, und welche den SpezialistInnen in den kulturellen Nischen?
Im Diversity Report 2016 hat ein Team um Rüdiger Wischenbart unter anderem 250 AutorInnen in einem Dutzend europäischer Länder untersucht, hat Rahmenbedingungen und Marktverhältnisse analysiert sowie Literatur und ihre Übersetzungen im weiteren Umfeld eines sich von Grund auf verändernden Buchmarktes und einer auf unterschiedlichste Medienangebote reagierenden Lesekultur hin betrachtet.
Im Symposion Teil 2 werden die Kernaussagen aus dem Diversity Report 2016 Ausgangspunkt für ein Gespräch mit dem AutorInnenteam.
Symposium Teil 2 “Was schafft Aufmerksamkeit” Sa., 5.11.16, 09:30 Schloss zu Spitz

Versepolis
Was verspricht das neue europäische Webmagazin für Poesie, Bücher und Kultur?
Versopolis ist ein neues literarisches Online Magazin für Poesie, Bücher und Kultur. Finanziert von der Europäischen Union, ist es ein englischsprachiges Magazin und versteht es sich in der Tradition der New York Review of Books und der London Review of Books, konzentriert sich aber auf Kontinental-Europa und berichtet über Bücher, Ausstellungen, Filme, Musik, Reisen und Ideen.
Symposium Teil 2 “Versepolis” Sa., 5.11.16, 11:45 Schloss zu Spitz


Ein Zufluchtsland
Wie funktioniert Crowdfunding für ein Literaturprojekt?
Die meisten Geschichten, die wir in den Medien über Flüchtlinge lesen, sind negativ besetzt. Die Realität von Menschen, die vor Verfolgung flüchteten, geht aber über die emotionalen Verwundungen hinaus, die sie erleiden mussten, und ebenso über die täglichen Sorgen, die der Aufbau eines neuen Lebens mit sich bringt. Die Anthologie Ein Zufluchtsland versteht sich dezidiert als eine Gegendarstellung zur negativen Berichterstattung, will die Kraft und den Mut menschlichen Geistes in den Vordergrund stellen und so engagiert zur politischen Debatte über Flüchtlinge beitragen.
Nach dem Vorbild eines erfolgreichen australischen Projekts in Großbritannien organisiert, stützte das Team der HerausgeberInnen um die Journalistin Lucy Popescu die Finanzierung der Anthologie auf Crowdfunding auf der Internetplattform unbound. Books are now on your hand.
Symposium Teil 2 “Crowdfunding - A Country of Refuge” Sa., 4.11.16, 12:15 Schloss zu Spitz